Die weiteren Schiffe der HADAG

HADAG-Fähre WOLFGANG BORCHERT auf einer Werft (Foto: Michael Schleef)

Zwischen dem Niedergang der legendären Typschiffe in den 1970er Jahren und der Erfindung der wegweisenden Bügeleisenfähren ab 1997 experimentierte die HADAG mit einer Reihe von weiteren Fährschiffen, um auf die stark einbrechenden Fahrgastzahlen zu reagieren. Darunter waren spannende Ansätze – aber auch Flops.

Neben den beiden großen Typen-Flotten (Typschiffe & Typ 2000) hatte und hat die HADAG auch noch eine Reihe weiterer Hafenfähren im Einsatz, die entweder Einzelstücke waren oder nur in sehr kleinen Serien gebaut wurden.

Der größte "Sonderling" in der HADAG-Flotte der Nachkriegszeit war die BÜRGERMEISTER MÖNCKEBERG. Die Hafenfähre war eine Weiterentwicklung der Typschiffe aus den 1950er und -60er Jahren – sozusagen ein Jumbotypschiff. Form und Fensterbänder erinnerten stark an die bisherigen Typschiffe.

Ursprünglich waren vier Schiffe dieser Klasse geplant, aber die BÜRGERMEISTER MÖNCKEBERG blieb ein Einzelgänger und wurde nach 30 Dienstjahren 1993 in Richtung Karibik verkauft.


Ehemalige HADAG-Hafenfähre BÜRGERMEISTER MÖNCKEBERG (Copyright: Harald Schmidt)

1968 und 1969 nahm die HADAG dann die vier neuen Hafenfähren JAN MOLSEN, HANS ALBERS, RUDOLF KINAU und CARL KIRCHEISS in Betrieb, die quasi baugleich waren und auf zwei Werften in Hamburg und Cuxhafen gebaut wurden. Während die RUDOLF KINAU, HANS ALBERS und CARL KIRCHEISS in den 1970er, -80er und -90er Jahren verkauft wurden, gehört die JAN MOLSEN bis heute zur HADAG-Flotte.


HADAG-Fähre JAN MOLSEN im Frühjahr 2017 (Copyright: Christian Hinkelmann)

1973: Die ersten Ein-Mann-Fähren der HADAG

Im Jahr 1973 stellte die HADAG dann ihre ersten Ein-Mann-Fähren in Dienst: Die NEUWERK und die SCHARHÖRN. Die beiden rund 18 Meter langen Schiffe wurden auf der Buschmann-Werft in Hamburg gebaut, konnten rund 100 Passagiere fassen und sollten auf diversen Linien im Hamburger Hafen eingesetzt werden können.

Um die Schiffe brückengängig (z.B. für den Reiherstieg) zu bekommen, waren Signal- und Radarmast hydraulisch klappbar. Den unterschiedlichen Pontonhöhen sollte eine ebenfalls hydraulisch zu betätigende Aus-/Einstiegsplattform gerecht werden.

HADAG-Hafenfähre NEUWERK im Hamburger Hafen (Copyright: Harald Schmidt)
HADAG-Hafenfähre NEUWERK im Hamburger Hafen (Copyright: Harald Schmidt)

Die zwei größten Neubauten entwickelten sich zu Flops

1980 und 1981 ließ die HADAG dann bei der Howaltswerke - Deutsche Werft AG in Hamburg die beiden knapp 53 Meter langen Mehrzweckschiffe MAX BRAUER und ADOLPH SCHÖNFELDER bauen, die bis zu 550 Passagiere fassen konnten.

Die beiden Riesenschiffe waren quasi als eierlegende Wollmilchsäue geplant und sollten sowohl auf der Oberelbe mit ihren vielen niedrigen Brücken, im Hamburger Hafen aber auch auf offener See bis nach Helgoland verkehren können. Doch dieses übergroße Aufgabengebiet erwies sich als Flop. Für die Oberelbe musste mit großem Aufwand das ganze Oberdeck, einschließlich der Rettungsboote demontiert werden. Für den Seeverkehr in der Nordsee waren die beiden Schiffe zu flach und wenig seefest gebaut.

HADAG-Fähre MAX BRAUER (Copyright: Michael Schleef)
HADAG-Fähre MAX BRAUER (Copyright: Michael Schleef)

Aus diesem Grund fristeten beide Schiffe bei der HADAG ein Schattendasein. Während die ADOLPH SCHÖNFELDER nach nicht einmal zehn Jahren Richtung Ostsee verchartert und 1991 endgültig verkauft wurde, blieb die MAX BRAUER zwar bis 2010 in Hamburg – wurde aber meist nur im Airbus-Werksverkehr und für Sonderfahrten eingesetzt. 2015 wurde das Schiff in Papenburg verschrottet.

Kaum noch Fahrgäste – HADAG reagiert mit Klein-Fähren

1989 stellte die HADAG die beiden kleinen Hafenfähren ALTONA (185 Fahrgäste) und FINKENWERDER (165 Fahrgäste) in Dienst – zu einer Zeit, als sich die Reederei in ihrer größten Krise befand: Die Fahrgastzahlen waren auf nur noch zwei Millionen Menschen pro Jahr zusammengebrochen, viele Linien wurden eingestellt oder zusammengelegt.

Mit den beiden neuen Ein-Mann-Schiffen wollte die HADAG Personal und Kosten sparen. Die Schiffe waren dementsprechend minimalistisch ausgestattet und verfügten nicht einmal über eine Pantry.

Die HADAG-Hafenfähre FINKENWERDER im Bauzustand von 1989 (Copyright: Michael Brinkmann)
Die HADAG-Hafenfähre FINKENWERDER im Bauzustand von 1989 (Copyright: Michael Brinkmann)

In den zwei darauffolgenden Jahren nahm die Reederei die weitgehend baugleichen Hafenfähren BLANKENESE und NEUENFELDE in Betrieb, die bis zu 210 Passagiere fassen konnten und im Vergleich zu den beiden Vorgängern einen geschlossenen, barrierefrei erreichbaren Raum für Rollstühle, Fahrräder und Kinderwagen hatten.

HADAG-Fähre NEUENFELDE nach dem Umbau im Sommer 2017 (Copyright: Christian Hinkelmann)
HADAG-Hafenfähre NEUENFELDE nach dem Umbau im Sommer 2017 (Copyright: Christian Hinkelmann)

Um die Jahrtausendwende wurden alle vier Schiffe aufwändig umgebaut. ALTONA und FINKENWERDER bekamen ein großes offenes Freideck für Fahrräder und sind seitdem hauptsächlich zwischen Blankenese und Cranz, bzw. auf der Fährlinie 64 zwischen Finkenwerder und Teufelsbrück im Einsatz. BLANKENESE und NEUENFELDE bekamen 2004/05 einen größeren, barrierefrei erreichbaren Salon auf dem Hauptdeck und ein größeres Oberdeck. So dass sie weiterhin auf den Hauptfährlinien der HADAG einsetzbar sind.

Die FINKENWERDER nach ihrem Umbau im Jahr 2000 (Copyright: Michael Brinkmann)

Die FINKENWERDER nach ihrem Umbau im Jahr 2000 (Copyright: Michael Brinkmann)

1992/193 stellte die HADAG dann noch einmal zwei neue Schiffe in Dienst: Die FALKENSTEIN und die WOLFGANG BORCHERT. Sie wurden auf der Heinrich Grube Werft in Oortkaten gebaut und sind eine Art Weiterentwicklung der vier vorherigen Ein-Mann-Fähren. Sie verfügen aber über ein durchgängiges Hauptdeck, das eine verbesserte behinderten- und fahrradgerechte Nutzung der Schiffe gewährleistet. Das Steuerhaus wurde dafür ein Deck höher gelegt. 2007 bzw. 2010 wurden beide Schiffe verbreitert und die Passagierzahl auf 250 erhöht.

HADAG-Hafenfähre FALKENSTEIN beim Umbau im Januar 2010 (Copyright: Michael Schleef)
HADAG-Hafenfähre FALKENSTEIN beim Umbau im Januar 2010 (Copyright: Michael Schleef)

Die 2000er Jahre: Drei Flachschiffe – und eine insolvente Werft

Die modernsten Sonderbauten der HADAG sind die drei Flachschiffe NALA, RAFIKI und REIHERSTIEG. Diese Hafenfähren sind besonders niedrig gebaut, um unter den niedrigen Brücken entlang der Fährlinie 73 Richtung Oderhöft (bis 2013), bzw. Ernst-August-Schleuse (ab 2013) hindurch zu kommen. Die Schwesternschiffe NALA und RAFIKI wurden von der Firma DesCon Dr.-Ing. C. Masilge GmbH aus Falkensee bei Berlin konstruierte und zwischen August 2001 und Mai 2002 von den Werften SET Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft Tangermünde und SSB Spezialschiffbau Oortkaten, Hamburg-Ochsenwerder, gebaut. Der Bau auf zwei Werften ermöglichte die gleichzeitige Indienststellung beider Schiffe. Die Kosten des Gesamtprojekts betrugen 2,4 Millionen Euro.

HADAG-Flachschiff RAFIKI an den Hamburger Landungsbrücken (Copyright: Christian Hinkelmann)
HADAG-Flachschiff RAFIKI an den Hamburger Landungsbrücken (Copyright: Christian Hinkelmann)

Im Juli 2014 kam dann die REIHERSTIEG hinzu, die allerdings 2 Meter länger und rund 1,5 Meter breiter als ihre beiden Vorgänger ist. Sie wurde auf der HADAG-Stammwerft SSB Spezialschiffbau in Oortkaten gebaut und war gleichzeitig das letzte dort gebaute Schiff – Ende 2013 meldete die Werft Insolvenz an.

Technische Daten und Konstruktionspläne

Lesen Sie hier alle Einzelheiten zu den verschiedenen Schiffstypen und sehen Sie dazu seltene Bauzeichnungen und Skizzen.

Die Lebensläufe der weiteren HADAG-Schiffe

Lesen Sie hier die Lebensläufe der weiteren HADAG-Schiffe und finden Sie die Unterschiede.

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