Elbvertiefung – Pro und Contra

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  • #70089

    untereste
    Teilnehmer

    Hallo,

    wenn ich mir angucke was in Wilhelmshafen und Bremerhaven an Containerterminals für extrem große Schiffe vorhanden ist bzw. entsteht, bin ich mir bei dem Nutzen der Elbvertiefung nicht mehr so sicher. Die Anbindung ans Hinterland (per Zug, Lkw o. Binnenschiff) ist hier in Hamburg natürlich ideal, doch auch von Bremerhaven aus lassen sich die Container gut verteilen, lediglich in Wilhelmshaven muss die Infrestruktur noch ausgebaut werden.
    Bei immer größer werdenden Schiffen wird es im Hamburger Hafen außerdem langsam eng, nicht was die Länge der Liegeplätze angeht sondern beim Drehen. Z.B. die Emma Maersk hätte es mit ihren 397m extrem schwer, käme die Elbe mit bis zu 16,5m Tiefgang allerdings auch nach der Elbvertiefung nicht hoch.

    Wie viele hier fühle ich mich durch z.B. meine Familiengeschichte (alles Seefahrer) der Elbe und dem Hamburger Hafen sehr verbunden, dennoch halte ich die möglichen Folgen einer weiteren Elbvertiefung für die Elbfischer und vor allem die Obstbauern des Alten Landes für zu schwerwiegent und unumkehrbar als das ich sie für gut heißen kann. Und auch die Hamburger selbst könnten durch die Vertiefung Probleme bekommen, da Sturmfluten -die in Zukunf öffter kommen sollen (Stichwort: Klimawandel)- so schneller & härter die Elbe rauf kommen können.

    Es gibt so viele Pro & Contra Punkt bei diesem Thema, zumal fast jeder positiv oder negativ betroffen wäre. Das Thema ist also sehr komplex.

    Gruß
    Jan

    #75168

    Flooster
    Mitglied

    Ich sehe die Elbvertiefung inzwischen auch mit kritischeren Augen. So lieb einem der Hamburger Hafen als Überseehafen ist und man das Spektakel der ein- oder auslaufenden Seeschiffe genießt, so sind bei rein rationaler Betrachtung die zu erwartenden Nachteile und Risiken nicht zu übersehen.

    Besonders bedenklich stimmt es, wenn mögliche Risiken und Bedenken auf Biegen und Brechen beiseite geschoben werden, wie man es im Planfeststellungsverfahren für die Elbvertiefung erleben konnte. So wurden etwa Gutachten, die auf die erhebliche Hochwassergefährdung durch die Beeinträchtigung der Standsicherheit der Deiche hinweisen, gar nicht erst zugelassen.

    Ich finde es erschreckend, mit welcher Wucht bereits heute das normale Hochwasser sich an den Ufern zeigt. Wenn man etwa vom Anleger Wittenbergen zum Wittenbergener Strand läuft, steht das Wasser hinter der DLRG Hochbaracke selbst bei gewöhnlichem Hochwasser regelmäßig so hoch, dass man landeinwärts über runtergetrene Zäune ausweichen muss, weil die gesamte Strandnarbe überflutet ist

    Es wurden von der Bundesanstalt für Wasserbau Gutachten für über 1 Million Euro in Auftrag gegeben, um den sog. morphologischen Nachschub zu berechnen (also die weitere Elbvertiefung, die sich automatisch aufgrund der höheren Strömungsgeschwindigkeit der vertieften Elbe noch zusätzlich ergibt und die bis zu 1, – 1,5 m betragen kann) und dann tauchen diese Erkenntnisse in den Gutachten überhaupt nicht oder als zu vernachlässigende Größe auf. Das ist einfach unseriös.

    Es wird nichts zur Zukunft der offenen Elbstrände gesagt. Erst auf Druck der EU musste im Rahmen der FFH-Anhörungen eingeräumt werden, dass den offenen Elbstränden keine wesentliche ökoöogische Bedeutung zukommt (was wohl als Eingeständnis zu werten ist, dass die letzten offenen Elbstrände bei Wittenbergen und Wedel mittelfristig dann doch verschwinden werden und ebenfalls mit Steinstacks befestigt werden müssen). Schon jetzt kann man in Wittenbergen ja deutlich sehen, wie steil die Strandneige inzwischen ist. In Blankenese kann man die Stranderodierung daran erkennen, dass westlich der ehemaligen Abwrackwerft Taucher Ottar Harmstorf auf dem Strand ein weiteres Wrack zum Vorschein gekommen ist (die Everwrappen, die man dort jetzt sieht). Bei Wedel brechen schon die ersten Hangstacks auf und weg, was man vom Wasser aus deutlich sieht.

    Das Phänomen des Tunnelauftriebs am Elbtunnels spielt offiziell keine Rolle, obwohl jeder weiss, dass aufgrund der Elbvertiefung hier sehr kostenträchtige Maßnahmen (etwa Stahlbügel über den Tunnelröhren) erforderlich sein werden.
    Schon nach der letzten Elbertiefung 1999 kam es ja wiederholt zum Freispülen der Röhren. Die deshalb auf die Tunnelröhren verbrachten Schlackensteine rutschten seitlich ab ins Sediment und verstärkten durch den Druck auf das Sediment den Tunnelauftrieb noch, so dass diese preiswerte Lösung wohl nicht mehr zur Debatte steht.

    Zudem vermisse ich Alternativen, etwa dass Hamburg sich stärker an der Entwicklung neuer Schiffe mit geringerem Tiefgang beteiligt (etwa durch veränderte Konstruktion oder den Bau längerer Schiffe, die noch den Vorteil der schnelleren Be-/ Entladbarkeit hätten), da ja auch in den Tiefseehäfen das Problem besteht, stabile Kaianlagen mit einem entsprechenden Tiefgang davor zu bauen. Hamburg müsste dann längere Kaianlagen mit geringeren Abzweigwinkeln in die Containerhöfte konstruieren und ein größeres Wendehöft. An solcehn Alternativplanungen fehlt es aber völlig.

    Man könnte die Diskussion noch endlos fortsetzen. Die Probleme und Risiken, welche die Elbverteifung mit sich bringt, sehe ich nur langsam nicht mehr im Verhältnis zum Nutzen, zumal die nächst größere Conatinerschiffgeneration garantiert kommt (es sollen ja schon 11.000 TEU Schiffe in Planung sein).

    Grüße
    Dirk

    #75169

    untereste
    Teilnehmer

    Ganz genau Dirk!
    (Das aktuell größte Containerschiff die MSC Daniela kann allerdings schon 13.800 TEU transportieren.)

    #75170

    Flooster
    Mitglied

    Ja stimmt. Die Emma Maersk-Klasse hat ja schon 13.000 TEU. Aber das ist bestimmt noch nicht das Ende der Fahnenstange…

    Wie die Topics immer abdriften. tztztz… :-

    #75171

    Faehre
    Mitglied

    @Flooster wrote:

    Wie die Topics immer abdriften. tztztz… :-

    ;D Na ja, man kann ja auch einen neuen Thread aufmachen. Sinn oder Unsinn der Elbvertiefung. 😉 Denke, das Thema ist so interessant, das es einige Seiten füllt.

    Off Topic, paßt das ja rein.

    #75172

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Gesagt, getan! Neues Thema…

    #75173

    MichaelS
    Verwalter

    Moin Forum,

    also das mit der Elbvertiefung ist eine echt schwierige Geschichte, natürlich sehe ich auch die Argumente die Dirk und Jan ins Feld geführt haben und halte diese auch für absolut schwerwiegend.

    Andererseits muss es im Interesse Hamburgs sein im Konzert der großen Hafenstädte der Welt mitzuspielen – wenn man die wirtschaftlichen Folgen für die Stadt bedenkt, sollte der Hafen in die “zweitklassigkeit” oder schlimmer abrutschen.

    Ob der Trend zum Mega-Containerschiff ein langfristiger ist, oder nur eine Episode wie z.B. die Mega-Tanker oder die langsam austerbenden Schnellfähren, dazu fehlt mir ehrlich gesagt die Sachkenntnis und das ganze hängt vermutlich auch von der wirtschaftlichen Entwicklung der nächsten Jahre ab, denn nur volle Megacarrier bringen mehr wirtschaftlichen Erfolg als gut ausgelastete z.B. 8000 TEU-Schiffe.

    Was die Entwicklung der Schiffe angeht, sind ja nicht Städte oder Häfen die treibende Kraft, sondern die Reedereien – und die haben oft andere Interessen als die jeweiligen Häfen….

    Also der letzte Ratschluss fehlt mir ehrlich gesagt – aber vielleicht gibt es ja noch weitere sachdienliche Beiträge, die bei der Meinungsbildung hilfreich sind 😉

    Gruß
    Michael

    #75174

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Die ganz großen Containerwannen erfordern nicht nur tiefe Fahrwasser, sondern auch eine wesentlich effizientere Landlogistik in den Anlaufhäfen. Da kommen noch mehr Probleme auf Städte, Häfen bzw. Betreiber von Kaianlagen zu.

    #75175

    Faehre
    Mitglied

    Moin,

    wenn der Tiefwasserhafen Wilhelmshafen mit der dazugehörigen Infrastruktur im Hinterland erstmal fertig ist, würde ich als Reeder eines Megaschiffes, Hamburg nicht mehr anlaufen. Kostet viel Zeit, hat erhöhte Kosten.

    Die Container nach Hamburg lassen sich mit kleineren Schiffen, Bahn und Lkw. kostengünstiger transportieren.

    Von daher, halte ich eine weitere Vertiefung für unsinnig. Auch für Unsinn, halte ich eine weitere Flächenvergrößerung der Containerflächen ( Bubendeyufer gegenüber Övelgönne ).

    Die Hafenbehörden rechnen irgendwann mit weiteren Wachstum. Ich frage mich, woher soll das kommen. ??? Es gibt immer mehr Werksschließungen, Mittelstandsbuden müssen aufgeben, Lohnniveau ist unten. Bürger haben weniger in der Tasche. Da sehe ich in näherer Zeit nirgendwo Wachstum.

    Meine Meinung, das was Hamburg hat, reicht vollkommen aus. Absacken in der Bedeutung der Containerhäfen, wird Hamburg in jedem Fall. Man sollte sich lieber auf spezielle Logistik für Spezialcontainer konzentrieren. Da gibt es meiner Meinung nach, noch richtig Potenzial.

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