Keine zwei gleichen Schiffe…

Dieses Thema enthält 4 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Reeperbahn vor 13 Jahre.

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    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Wer sich einmal die Mühe macht, genau hinzusehen, wird feststellen, dass es bei den Vierhundertern und den Sechshundertern keine zwei identischen Schiffe gibt. Zum einen sind die unterschiedlichen Werften schuld, zum anderen gab es selbst bei derselben Bauwerft Unterschiede. Manche sind schon von außen zu erkennen, andere erst im Inneren. Hier einige Beispiele sonst scheinbar identischer Schiffe:

    Bergedorf: sie hatte als einziger Sechshunderter eine Schlepplampe, also eine zweite Topplaterne;
    Jungfernstieg: sie hatte als einziger 600er eine verchromte Kompasshaube, alle anderen hatten eine Haube aus Messing; ihr Motoren-/Schornsteingeräusch war einmalig… 😉
    Großer Michel/Moorburg: sie lag/liegt achtern bis fast zur Wallschiene im Wasser;

    Die Liste ließe sich für alle anderen Schiffe fortführen – vielleicht erklärt das auch ein wenig meine ganz persönliche Leidenschaft gegenüber dieser Flotte!

    Gruß

    Michael

    #70926

    imported_chris
    Mitglied

    Ist schon krass… auf den ersten (ungeschulten Blick) sehen alle Typschiffe echt gleich aus. Erst beim genauen Hinsehen bemerkt man immer neue Unterschiede.

    @reeperbahn:
    Weißt Du eigentlich, warum diese Schiffe alle unterschiedlich sind (obwohl die Hadag mit Einführung der Schiffe ja gerade die Einheitlichkeit haben wollte)?

    zur „Großer Michel“: Mir ist bei einem Besuch vor einigen Tagen auch extrem aufgefallen, dass das Heck des Schiffes sehr tief im Wasser liegt. Weißt du, woher das kommt?
    Beim Vergleich mit anderen Typschiffen sieht man, dass einige Schiffe generell mit dem Heck etwas tiefer liegen, und andere Fähren dagegen komplett „gerade“ auf dem Wasser liegen. Komisch….

    #70927

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Hallo Chris,

    wie Du schon schreibst, auf den ersten Blick sehen sich die Typschiffe schon zum Verwechseln ähnlich. Manche Feinheit hat schlicht mit den technischen Möglichkeiten der jeweiligen Werft zu tun. So waren einige Werften z. B. nicht in der Lage, das kuppelartige Dach auf dem Vorschiff aus einem Stück zu fertigen. Dann hatten der jeweilige Werftkonstrukteur und die reederei-eigene Bauaufsicht hier und da noch einen Einfluß und nicht zuletzt bedienten sich die Werften unterschiedlicher Zulieferer. Und in noch selteneren Fällen konnte der designierte Schiffsführer des Neubaus selbst noch kleine Wünsche anmelden!

    Der Trimm einzelner Schiffe lag an der teilweise ebenfalls nicht einheitliche Lage bzw. Größe der Trimm- und Bunkertanks. Darüberhinaus wurden einzelne Schiffe auch absichtlich vom Schiffsführer anders getrimmt. Die Tonndorf z. B. lief einfach besser, wenn sie etwas „auf den Kopf“ getrimmt war, also ein wenig vorlastiger fuhr usw. Alte Dampfer-Schiffsführer hatten das Heck auch gern etwas tiefer, damit einkommendes Wasser einfach nach achtern ablief, statt im Schiff hin- und herzuschwappen. Das war bei den Typschiffen unnötig, ebenso wie die versenkbaren Frontscheiben im Ruderhaus übrigens, aber es gibt halt soetwas wie die Macht der Gewohnheit…

    Gruß

    Michael

    #70928

    imported_chris
    Mitglied

    @reeperbahn:

    Bergedorf: sie hatte als einziger Sechshunderter eine Schlepplampe, also eine zweite Topplaterne;

    kannst Du mir sagen, warum sie so eine Schlepperlampe hatte?

    Grüße, Christian

    #70929

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Ein Schiff darf ein anderes nur abschleppen, wenn es als „Schlepper“ kenntlich gemacht werden kann. Die regulären Schlepper haben daher mindestens eine weitere Topplaterne, für Schleppzüge von besonderer Länge ist dann sogar eine dritte Topplaterne erforderlich. Da die Hadag ihre Schiffe im Falle einer Panne in der Regel selbst abschleppen wollte, vor allem natürlich um Kosten zu sparen, war die Installation erforderlich, selbst wenn bei Tageslicht geschleppt wurde. Ich vermute einmal, die kleinen Bugsierreedereien im Hafen haben bzw. hätten sich sonst beschwert. Überdies kam es dank der Zuverlässigkeit der Schiffe nur selten zum Schleppen, und wenn, dann wurde stets „auf Seite“ geschleppt, nie mit einer Schleppleine achteraus!

    Michael

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