Niederelbe-Verkehr

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  • #71094

    tonnenstrich
    Teilnehmer

    Moin,
    sehe ich das richtig, daß der Fahrpreis sich fast verdoppelt hat? Von € 16,60 auf € 30,00.
    Harald.

    #71095

    Werner
    Teilnehmer

    Hallo Forum!

    Ein Fahrplan mit einem derart dünnen Angebot einerseits und einem recht hohen Fahrpreis andererseits ist für mich der Todesstoß für den Niederelbedienst.

    Fahrgäste, die bis Stadersand fahren, haben dort quasi keinen brauchbaren Aufenthalt. Es sei denn, sie nutzen zur Rückfahrt den Bus und die S-Bahn. Für „Rückfahrtfahrgäste“ bedeutet das, daß mehr als fünf Stunden an Bord verbracht werden müssen (für die Gesamtstrecke). Das ist für Nicht-HADAG-Freaks nicht besonders prickelnd – dazu ist das Ambiente der HADAG-Schiffe nicht „wohnlich“ genug. (War letzten Sommer an der Donau und bin mit Tagesausflugsschiff von Passau nach Linz gefahren. Die Schiffe sehen anders aus! Siehe hier: http://www.donauschiffahrt.de/.) Auch ist nicht anzunehmen, daß eine wirtschaftlich relevante Anzahl von Fahrgästen, mit der S-Bahn von Hamburg nach Stade fährt, sich per Bus oder Taxe nach Stadersand begibt, um dann mit dem Schiff nach Hamburg zu Fahren. Auch der Aufenthalt in Lühe wird mit dem zukünftigen Fahrplan beschnitten.

    Zudem wird der deutlich erhöhte Fahrpreis potenzielle Fahrgäste abschrecken. Damit kann man keinen Zuwachs von Beförderungsfällen erzielen. Anders als bei den Hafenfähren, der U- und S-Bahn, besteht hier für den Fahrgast kein zwingender Bedarf das Angebot zu nutzen.

    Die gänzliche Verabschiedung vom Niederelbedienst ist absehbar.
    Leider.

    Der Werner

    #71096

    Faehre
    Mitglied
    Werner wrote:
    Hallo Forum!

    Ein Fahrplan mit einem derart dünnen Angebot einerseits und einem recht hohen Fahrpreis andererseits ist für mich der Todesstoß für den Niederelbedienst.

    Für mich auch. Schade. 😮

    #71097

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Ich unterstelle mal, dass dies der letzte Versuch ist, den defizitären Niederelbeverkehr entweder kostendeckend zu betreiben, oder aber ihn endgültig einzustellen. Eine Kostendeckung halte ich für undenkbar, erst recht bei solchen Witterungen, wie im “Sommer” 2011. Also wird es zur Einstellung kommen.

    Wenn man einen sehr strapazierfähigen Optimusmus hat, bleibt noch die Hoffnung, dass es vielleicht zu bestimmten Zeiten “Sonderfahrten” zur Niederelbe geben könnte, die entsprechend beworben werden. So wie früher mal nach Glückstadt zum Beispiel. Aber dann müßte die HADAG schon mehr bieten, als einen hochpreisigen Fährdampfer mit bescheidenem Service. Und genau da endet zumindest mein Zweckoptimusmus jäh. :-[

    Es grüßt

    Michael

    #71098

    Werner
    Teilnehmer
    Reeperbahn wrote:
    Eine Kostendeckung halte ich für undenkbar, erst recht bei solchen Witterungen, wie im “Sommer” 2011. Also wird es zur Einstellung kommen.

    Hallo Michael, hallo Forum,

    was ist bloß los in der „Metropolregion Hamburg“? Weshalb gibt der Tourismus- und Ausflugsverkehr auf der Elbe seit Jahrzehnten ein so klägliches Bild ab?

    Ich bin Baujahr 1950 und kann mich gut an sonntägliche Ausflugsfahrten zur Obstblüte ins „Alte Land“ erinnern. Mit ‘nem „Grünen Dampfer“ ging es bis nach Twielenfleth. Auf dem Deich wurde dann bis nach Lühe zurückgegangen um dort einen der nachfolgenden Schiffe in Richtung Landungsbrücken zu besteigen. Aber die Schiffe fuhren nicht nur Sonntags – auch an den übrigen sechs Wochentagen konnte man auf dem Wasser die Elbe und ihre Schiffe genießen. Auch die Fahrten mit der H.B.E.L., von den St. Pauli-Landungsbrücken über alle Stationen bis direkt nach Cranz, sind mir in guter Erinnerung. Ein Spaziergang auf dem Elbewanderweg war eigentlich immer mit einer Fahrt auf der Elbe verbunden. Und für damalige Verhältnisse (fünfziger und sechziger Jahre) waren unsere geliebten Typschiffe auch eine feine Sache. Und beim Tourismus- und Ausflugsverkehr auf der Elbe möchte ich die „Lauenburger Dampfer“ nicht vergessen. Es war schon ein Erlebnis, wenn der Raddampfer „Hugo Basedow“ von den Landungsbrücken nach Lauenburg fuhr und bei den Elbbrücken Maste und Schornstein niederlegen musste. Alles das gibt es nicht mehr.

    Wie schon an anderer Stelle in diesem Forum erwähnt, verbrachte ich im Sommer 2011 einige Tage an der Donau. Auch dort war der Sommer 2011 nicht so, wie man sich einen Sommer vorstellt. Wir fuhren mit dem Schiff „MS Regina Danubia“ von Obernzell (nähe Passau) bis nach Linz / Österreich (das sind etwa 70 Flußkilometer; Passau – Linz geschätzte 85 Stromkilometer). Das Schiff hat in Linz eine planmäßige Liegezeit von 15 Minuten. Dann tritt es die Rückfahrt an. Die Zeit reicht nicht aus, um sich Linz anzusehen. Daher werden günstige Kombifahrten angeboten. Rückfahrt nach Passau mit Bahn oder Bus. Damit wir wieder zu unserem Ausganspunkt „Obernzell“ gelangten, fuhren wir um 17:30 Uhr mit komfortablen Reisebus (extra für Passagiere von Wurm + Köck) bis nach Engelhartszell. (Der Bus fuhr dann mit weiteren Fahrgästen weiter nach Passau.) Dort bestiegen wir um 18:45 Uhr das Schiff, das um 14:20 Uhr in Linz losmachte, und erreichten damit unseren Ausgangspunkt Obernzell. Bitte mal Preise und Leistungen mit dem Hamburger Elbtourismus vergleichen.
    http://www.donauschiffahrt.de/de/100156163/passau_-_linz.html

    Sowohl Personal als auch Betriebskosten dürften sich zwischen Elbe und Donau nicht maßgeblich unterscheiden. Auf dem Schiff für 400 Personen waren auf meiner Fahrt deutlich weniger als 100 Fahrgäste!
    Einfache Strecke mit Schiff Passau – Linz = 26,00 € für zirka 85 km
    Passau – Linz – Passau mit Schiff = 29,00 € für zirka 170 km
    Passau – Linz mit Schiff und mit Bus zurück nach Passau = 32,00 € (und das Busunternehmen will auch noch was verdienen)

    Auch für die Ausflugsschiffahrt auf der Elbe könnte ich mir vorstellen, daß durch attraktive Schiffe und Angebote (günstige Rückfahrpreise, kombiangebote Schiff / Bus, eingebundener Transfer Stadersand / Stade, Kombiticket für Stadtführung in Stade oder Besuch Schwedenspeicher) Fahrgäste gefunden werden, die einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen.

    Gibt es aus der großen Forumsrunde konkrete Ideen, wie der Ausflugsverkehr auf der Elbe zu beleben und langfristig zu retten ist???

    Auf Anregungen hofft
    der Werner

    #71099

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Können wir, als Forum einiger motivierter Elbdampfer-Enthusiasten, die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen eines Staatsbetriebes beeinflussen, und sei es mit noch so tollen Ideen? Ich fürchte nein.

    Auch ich bin unzählige Male zur Unterelbe gefahren. In den 70er und anfangs der 80er Jahre gingen jeden Werktag von Frühling bis Herbst mindestens neun Abfahrten zur Lühe, stündlich über alle Stationen, sowie eine tägliche Rundreise bis Krautsand. Am Wochenende bzw. in der Hauptsaison dazwischen noch zur halben Stunde und in der absoluten Peaksaison sogar noch mit Vorläufern auf Voll, die nur ab/bis Schulau fuhren. Am Wochenende waren teilweise weit über 300 Personen an Bord jedes Schiffes, Himmelfahrt gern noch ein paar mehr.

    Später wurde der Plan immer weiter ausgedünnt bis auf den jetzigen, kläglichen Rest. Keiner bedauert das mehr als ich, aber die HADAG hat sich schon vor vielen Jahren erklärt: Fährdienst im Hafen ist das Geschäft, Tourismus nur dort, wo es Flotte, Personal und davon abhängige Kostenstellen erlauben. Das ist wirtschaftlich konsequent, aus Sicht des Steuerzahlers zudem nachvollziehbar, aus touristischer aber ein Fiasko!

    Hamburg tut zwar viel für den Tourismus, ist auf jeder Messe vertreten und die Stadt boomt in diesem Wirtschaftszweig wie kaum eine andere. Dabei hat man leider vergessen, mit dem traditionellen Pfund, der Elbe bis zum Alten Land zu wuchern. Wer da alles nicht kann oder will, ist für den Außenstehenden nicht zu durchschauen. Immerhin gäbe es ja privatwirtschaftliche Ausflugsreedereien, die ja einspringen könnten, aber wohl auch kein einträgliches Geschäft erwarten.

    Frustriert grüßt dennoch

    Michael

    #71100

    Werner
    Teilnehmer
    Reeperbahn wrote:
    Können wir, als Forum einiger motivierter Elbdampfer-Enthusiasten, die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen eines Staatsbetriebes beeinflussen, und sei es mit noch so tollen Ideen? Ich fürchte nein.

    Nein – als Forum können wir wahrscheinlich so gut wie nix beeinflussen. Aber mit etwas Glück werden unsere Ideen von einem finanzkräftigen Griechen gelesen, der in eine florierende Niederelbefahrgastschiffahrt investiert. 😉

    Vor Jahrzehnten, als die Linienschiffahrt auf der Alster (die mit der gelben, blauen und grünen Linien-Flagge – rot war die Fähre Uhlenhorst – Harvestehude) eingestellt wurde, sprach ich mit Leuten von der HHA über eine Verbindung zum Stadtparksee. Die heute noch vorhandenen Anleger aus der Vorkriegszeit werden derzeit Gastronomisch genutzt. „Das lohnt sich nicht“ war die Antwort. Aber man hat es nicht probiert. Dabei ist der Stadtpark ein gut frequentierter Ort, der für die Alsterschiffahrt wohl auch Fahrgastpotential bietet. Und da HADAG und ATG (HHA) als Staatsbetrieb schon immer mehr oder weniger verwand waren, wird sich an dieser Einstellung nicht viel geändert haben. Es fehlt die Lust, mit etwas Enthusiasmus was zu bewegen.

    Abicht, Meyer, Prüsse – die scheinen mir „zu satt“ zu sein. Die sind mit Sechzigminutenfahrten und Begleitfahrten zufrieden. Obwohl – war mit Prüsse seiner Wahrsteiner Solar mal zu den Matjestagen nach Glückstadt. Inklusive Frühstück gar nicht schlecht.

    Unsere Elbe bietet viel mehr als nur HARUFA und Linie 62.
    Ich will nicht verstehen, weshalb bei reichlich vorhandenen Touristen hier eine Ausflugsschiffahrt nicht zu betreiben sein soll. Es klappt doch an der Weser (sowohl im Weserbergland als auch mit der Ozeana von Bremen über Brake nach Bremerhaven), dem Rhein, an der Mosel, auf der Donau und und und…
    In Sachsen, in Bayern und Rheinland-Pfalz – überall werde ich auf die Schiffsbegrüßungsanlage in Schulau angesprochen. (In Obernzell sprach mich ein Gastwirt sogar auf den Betreiberwechsel des Schulauer Fährhauses an.) Oft wurde mir erzählt, daß Urlaub im „Alten Land“ gemacht wurde (konnte ich mir als Hamburger zuerst gar nicht vorstellen). Und die Leute sollen nicht zum „Dampferfahren“ bewegt werden können? Es fehlt wohl nur ein attraktives Angebot.
    Es soll ja nicht gleich ein Besäufnis werden – aber ein gepflegtes Bier vom Fass an Bord eines Fahrgastschiffes – eventuell ein saftiges Schinkenbrot dazu – das hat doch was.
    Vielleicht ist auch nur die Fahrtrichtung falsch. Wie wäre es denn, wenn ein Fahrgastreeder aus Glückstadt oder Stade Touristen nach Hamburg bringt?

    Es muß ja nicht gleich ein Grieche gefunden werden. Mag ja sein, daß einige Medien (Abendblatt, Morgenpost, NDR) was bewegen können. Die heute sehr erfolgreichen Fleet- und Kanalfahrten der ATG sind seinerzeit auch als „Leserfahrten“ für Abonennten vom Hamburger Abendblatt entstanden.

    Der Werner

    #71101

    MichaelS
    Verwalter

    Moin Zusammen,

    so nun habe ich auch Zeit mich zu den neuen Entwicklungen im Niederelbedienst zu äußern.

    Erst einmal teile ich Michaels Einschätzung, dass das ganze ein Versuch ist das Defizit im Niederelbedienst zu verringern, ob das der richtige Weg ist bezweifle ich allerdings, wobei wir (noch) nicht die Hintergründe der Entscheidung kennen. Ich habe eine offizielle Stellungnahme der HADAG zu den Veränderungen angefragt, wenn ich diese bekomme, werde ich sie natürlich hier veröffentlichen.

    Können oder sollten wir uns da einmischen? Ich denke, dass es vermessen wäre, zu glauben, dass wir das könnten! Aber Ideen geben und Nachdenken ist ja nicht verboten – vielleicht liest ja wer mit 😉 .

    Das Problem gegenüber früher ist die automobile Mobilität, wenn man nur ein Ziel erreichen will. Das Auto ist schneller und günstiger – punkt!

    Es geht also darum die Fahrt selbst zum Erlebnis zu machen, wenn man das ganze von Hamburg aus betrachtet. Die Ziele am Fluss müssen natürlich auch attaktiv sein, in Stadersand hat sich da schon etwas getan, in Schulau wird gerade gebaut.

    Wenn man es von der Niederelbe aus sieht, müssen z.B. das Schulauer Fährhaus, die Tourismusvereinigungen im Alten Land und Stade ein Interesse haben, dass einerseits ein attraktives Fahrtangebot geboten wird und dass Touristen aus Hamburg zu ihnen kommen. Allerdings gäbe dass nicht zum Nulltarif, d.h. man müsste sich auch an den Kosten beteiligen, was in Stade meines Wissens seit der Wiederbedienung von Stadersand der Fall war.

    Meine Ideen dazu: Ein etwas schnelleres, komfortableres Schiff (z.B. Panoramafenster, wettergeschützes Freideck) -ich mag die MOLSEN, aber wie im Helgolanddienst gibt es hier einen Investitionsstau- eine vollständige Gastronomie, mindestens wieder der alte Fahrplan (2 Abfahrten sind ein absolutes Muss); Kombiticket mit dem HVV – das wäre eine Möglichkeit mit erheblichen Investitionen eine Zukunft für den Niederelbedienst zu schaffen.

    Ich fände es gut, wenn der Dienst bei der HADAG bliebe, auch wenn es dazu der Zusammenarbeit aller bedarf!

    Gruß
    Michael

    #71102

    Werner
    Teilnehmer

    @MichaelS wrote:

    Meine Ideen dazu: Ein etwas schnelleres, komfortableres Schiff (z.B. Panoramafenster, wettergeschützes Freideck) -ich mag die MOLSEN, aber wie im Helgolanddienst gibt es hier einen Investitionsstau- eine vollständige Gastronomie, mindestens wieder der alte Fahrplan (2 Abfahrten sind ein absolutes Muss); Kombiticket mit dem HVV – das wäre eine Möglichkeit mit erheblichen Investitionen eine Zukunft für den Niederelbedienst zu schaffen.

    Ein etwas schnelleres komfortables Schiff ist sicher der richtige Weg. Das Schiff muß auch was fürs Auge sein – keine schwimmende Litfaßsäule, wie die rote Tonndorf oder die gelbe Jan Molsen. (Es darf ja ruhig verspielt sein. Wie der Kussmund bei AIDA passen vielleicht Kirschen und Äpfel für Schiffe ins „Alte Land“.)

    Kombiticket mit dem HVV sollte doch leicht möglich sein. Denn schließlich ist die HADAG Partner des HVV. Zudem gibt es bei der Fähre Blankenese – Cranz auch schon eine Vermischung des Niederelbetarifs und dem HVV-Tarif.

    Und erhebliche Investitionen müssen es auch nicht gleich sein. Denn es wird sicher möglich sein ein passendes Schiff für ein oder zwei Jahre zu charten (eventuell mit der Option, es bei Erfolg zu kaufen). Das ist sicher günstiger als einen Neubau in Auftrag zu geben.

    Entscheidend ist hier wohl der Wille, ob man an einer Ausflugsschiffahrt überhaupt interessiert ist. Ähnliches wurde in diesem Forum zum Thema Hafenrundfahrt schon am 30. / 31. Oktober 2006 diskutiert:
    @Reeperbahn wrote:

    Ebenso wie das Thema Niederelbefahrten, scheint mir das Thema HARUFA interessant! Wird die Hadag künftig etwas vom Kuchen abbekommen? Mit welchen Schiffen? Wie oft bzw. überhaupt regelmäßig?

    Als eingefleischter und bekennender Hadag-Enthusiast stimmt es mich schon traurig, was da in den vergangenen Jahren (Jahrzehnten) gelaufen ist. Nachdem die Hadag über Jahrzehnte fast soetwas wie ein Monopolist in der Rundfahrt war, ist sie inzwischen zum unbedeutenden Nebendarsteller verkommen. Natürlich konnte es so nicht weitergehen! Staatlich geschützter und ebenso finanzierter Wettbewerbsausschluss konnte, ja durfte so nicht fortgeführt werden.
    Konkurrenz belebt das Geschäft und spätestens mit der voranschreitenden “Europäisierung” war an eine Fortsetzung des Monopols nicht zu denken. Doch statt auf die Veränderungen zu reagieren, hat man meines Erachtens nur zugesehen. Der zaghafte Versuch mit der WARSTEINER QUEEN war dann schon der einzige.
    …..
    Vielleicht könnte auch für die HARUFA wieder etwas Innovatives auf Kiel gelegt werden? Oder überläßt die Hadag alles der Konkurrenz und konzentriert sich ausschließlich auf den HVV-Verkehr nach Finkenwerder???

    @MichaelS wrote:

    Das Unternehmen heißt zwar offziell noch “HADAG Seetouristik und Fährdienst AG”, aber u.a. 1997 beim Ausscheiden beim ECJ wird klar, dass die Prioritäten beim Fährdienst liegen.

    HADAG Seetouristik und Fährdienst AG
    Das See könnten wir schon lange streichen und das touristik wird dann wohl bald folgen können.

    Der Werner

    #71103

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    “Back to the roots” ins Jahr 1888 also, will heißen: H.D.A.G. – nix mit See, nix mit Touristik. Wäre jammerschade, aber konsequent. Und nur dann aus Hamburger Sicht sinnvoll, wenn statt der HADAG eine der anderen Reedereien zur Hafenrundfahrt noch die Niederelbetouristik übernähme.

    Neben einem attraktiven Schiff (besser zweien…) und einer ebensolchen Route, erfordert so ein Vorhaben auch einen zuverlässigen Fahrplan. Das war früher das touristische Plus der HADAG und gleichzeitig das betriebswirtschaftliche Minus. Anders, als bei der HaRuFa nämlich, muss Verlaß darauf sein, dass planmäßig alle Abfahrten stattfinden. Nicht nur bei schönem Wetter und gut gefüllten Schiffen, sondern auch bei Schmuddelwetter und einer Handvoll Fahrgästen. Sonst kommt nämlich auch keiner bei wechselhaftem Wetter. Fällt bei der Rundfahrt mal eine Tour aus, machen zur Not die Wettbewerber das Geschäft.

    Wenn ich als Tourist plane, den Rhein, die Mosel oder eben die Elbe hinauf oder hinab zu fahren, will ich mich schon darauf verlassen können, dass zur angegebenen Zeit ein Schiff am Ponton liegt. Erst recht, wenn ich nach Hamburg fahren möchte.

    Über das ideale Schiff wird es kaum Diskussionsbedarf geben: große, vollverglaste Salons, leise und einigermaßen schnell, großzügige und moderne Sanitäranlagen und eine leistungsfähige Gastronomie – mit anderen Worten: genau das Gegenteil zu den vorhandenen Schiffen!

    Ich bin sicher, dass sich Chartertonnage finden ließe, aber bezahlen? Wenn da nicht die schon erwähnten Touristikverbände der Niederelbe, vor allem aber Hamburg höchst selbst den Geldbeutel öffnet, geht da gar nichts.

    Es grüßt

    Michael

    #71104

    MichaelS
    Verwalter

    Moin Zusammen,

    man darf ja auch nicht vergessen, dass die HADAG nicht wirklich frei ist in ihrem unternehmerischen Handeln -es ist immer eine politsche Komponente beteiligt.

    Eine sehr touristische, daher ziemlich unwahrscheinliche Variante ist daher auch ein Umbau der seit einem Jahr aufgelegten MAX BRAUER. Dieses Schiff ist seit Jahrzehnten in Hamburg bekannt und müsste nicht erst auf dem Markt eingeführt werden und es könnte viele der Ansprüche, die an ein zeitgemäßes Niederelbeschiff gestellt werden erfüllen, nur bedarf es auch hier einer erheblichen Investition. Das 80er Jahre Ambiente müssten verschwinden, die zu dunklen Scheiben ersetzt, im Oberdeckssalon evtl. vergrößert, werden und eine zeitgemäße Einrichtung, WC´s und Pantry eingebaut werden. Außerdem müssten natürlich auch die technischen Probleme gelöst werden. Durch diese “Hauslösung” hätte man dann auch, neben der KIRCHDORF, ein größeres Charterschiff, dass im gehobenen Sektor angeboten werden könnte und nebenher das Problem eines Langzeitaufliegers gelöst. Durch die Chartereinnahmen könnte man die Defizite des Niederelbedienstes -zumindest teilweise- kompensieren und hätte für den Notfall wieder eine Reserve für Hafenrundfahrt und Airbusverkehr.

    Nur so eine Idee…

    Michael

    #71105

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Den BRAUER wird die HADAG wohl eher nicht mehr anfassen. Was davon bleibt, ist ein möglichst hoher Stahlpreis. Für die Touristik ist das Schiff in keinster Weise geeignet, für die Elbtouristik war es das eigentlich nie so richtig. So toll (riesig) der Salon auf dem Hauptdeck auch ist, er liegt zu tief und ist viel zu dunkel. Der obere Salon ist ebenso dunkel, da würden allenfalls neue, bodentiefe Fenster etwas bringen. Noch schöner wäre es indes, wenn das Ruderhaus auf das Dach ginge und der obere Salon nach vorn verlängert und verglast würde. [Traummodus AUS]
    Aber das sprengt ganz sicher jeden Rahmen, zumal die (Antriebs-)Technik inzwischen am Ende zu sein scheint. Hinzu kommt, dass der BRAUER nicht barrierefrei ist. So ein Schiff sollte es indes zu chartern geben, auch deshalb, weil man dann in einem festgesetzten Zeitrahmen den Erfolg messen könnte, ohne sich eigene Tonnage ans Bein zu binden. Vermutlich würde der Zeitrahmen dann aber zu kurz gewählt, mit Pech spielt das Wetter in der Testphase nicht mit und das Marketing wäre zu halbherzig. Aber das sind nur Vermutungen, man könnte auch sagen: Unterstellungen. Ohne externe Kapital- und Knowhowzuflüsse geht es sicher nicht, was dann bleibt, ist die Linie-62-Reederei mit angeschlossenem Kurzstreckenzubringerverkehr… :-[

    #71106

    Werner
    Teilnehmer

    Da ja zum Betrieb einer Schiffahrtslinie nicht nur Schiffe benötigt werden, stellt sich die Frage nach der Infrastruktur. In Urzeiten hatten die konkurrierenden Reedereien der Niederelbe (Borsteler Dampfer, Hamburg-Stade-Altländer Linie, H.D.A.G. usw.) ihre Reedereieigenen Landungsanlagen. Ich meine, daß das für die HADAG auch in den 60er und 70er Jahren noch zutraf. (Anleger Lühe, Twielenfleth, Stadersand, Kautsand, Wischhafen – jüngere Forumsmitglieder mögen sich die Strecke Hamburg – Wischhafen mal auf GoogleMaps ansehen. Da überall fuhren unsere Typschiffe!) Vermute mal, daß das heute nicht mehr so ist. (Wer näheres weiß, der soll was dazu schreiben.)
    Wenn die Anleger auf Grund des geringen Verkehrs kaum noch genutzt werden, wer kümmert sich dann um die Instandhaltung?
    Szenario: In zwei bis drei Jahren sitzen die Abgeordneten der Stadt Stade in der Ratsstube und sinnieren über den Stadthaushalt. Einem fällt auf, daß der Anleger Stadersand nur fünfmal im Jahr von der „Germania“ der „Personen Schifffahrt Brunsbüttel“ angelaufen wird und stellt fest „wenn wir den abschaffen, können wir viel Geld sparen.“
    Für den Abschnitt Schulau – Lühe werden die Anleger von der Lühe-Schulau-Fähre genutzt. Es besteht also keine Gefahr.
    Was aber ist mit der Pontonanlage „Wittenbergen“? (Wem gehört die – HPA, HADAG???) Wenn die HADAG in den nächsten Jahren den Niederelbedienst einstellt, wer läuft den Ponton dann noch an?

    Noch ein kühner Gedanke:
    Solange an potenziellen Zielen der Niederelbe noch Anleger und Pontonanlagen für den öffentlichen Personenverkehr vorhanden sind, besteht sowohl für die HADAG, private Reeder und (!) Vereinen, die Möglichkeit eine Schiffahrtslinie zu diesem Ort.
    Vereine – das ist das Stichwort. In Lauenburg fährt der „Kaiser Wilhelm“ seit Jahrzehnten im ehrenamtlichen Liniendienst. Auf der Flensburger Förde fährt auch schon seit langen Jahren der Salondampfer „Alexandra“ unter einer Ehrenamtlichen Besatzung. Ebenso wird der Alsterdampfer „St. Georg“ von einem Verein erfolgreich bereedert. Auch so manche Museumsbahn wird in den Sommermonaten Wochenende für Wochenende ehrenamtlich betrieben:

    Strecke Schönberg – Schönberg Strand an der Ostsee vom Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn e.V. Hamburg. http://www.vvm-museumsbahn.de/
    Strecke Bruchhausen-Vilsen – Asendorf (zwischen Bremen und Nienburg / Weser) vom Deutschen Eisenbahn-Verein e.V. http://www.museumseisenbahn.de/

    Und die Anliegenden Gemeinden treten gerne als Unterstützer der Museumsbahnen auf, da damit Gäste angelockt werden.
    Weshalb soll das für den Niederelbedienst nicht auch möglich sein? Gibt es in greifbarer Nähe noch historische Einheiten, die auf die Strecke passen würden? Vielleicht durch die „Stiftung Maritim“. Eventuell findet sich ja auch ein Kreis, der diesbezüglich einen Verein in Leben ruft.

    Der Werner

    #71107

    MichaelS
    Verwalter

    Moin Werner,

    Deine Idee ist nicht uninteressant. Ein historisches Passagierschiff, dass den Niederelbeverkehr in Trägerschaft eines Vereins fährt – nun ja ein passendes Schiff sähe ich in Hamburg zur Zeit nicht. Das könnte sich aber ändern, sollte eines noch möglichst fernen Tages die KIRCHDORF von der HADAG außer Dienst gestellt werden 😉 .

    Die Anleger z.B. von Stadersand werden auch touristisch genutzt, ja nicht nur von der GERMANIA, sondern z.B. auch von der SCHWINGEFLAIR, daher denke ich nicht, dass der Ponton dort in ansehbarer Zukunft verschwindet. Die Pontons Schulau, Lühe und Stadersand befinden sich meines Wissens in kommunaler Trägerschaft.

    Weiter als bis Stadersand kann bei der eingeplanten Geschwindigkeit von max. 10-11 kn eines historischen Schiffes vermutlich eh nicht fahren – sonst sind zwei Touren am Tag nicht zu machen.

    Gruß
    Michael

    @Michael: Das die BRAUER keine Zukunft bei der HADAG hat ist hochwahrscheinlich, ich konnte mir aber der Gedankenspiel nicht verkneifen ;D. Charterschiffe sollten sogar in HH zu finden sein – ich fände vom Stil her die OLYMPIC STAR von Abicht nicht schlecht, allerdings weiß ich nicht, ob sie schnell genug ist.

    #71108

    Werner
    Teilnehmer

    @MichaelS wrote:

    Ein historisches Passagierschiff, dass den Niederelbeverkehr in Trägerschaft eines Vereins fährt – nun ja ein passendes Schiff sähe ich in Hamburg zur Zeit nicht. Das könnte sich aber ändern, sollte eines noch möglichst fernen Tages die KIRCHDORF von der HADAG außer Dienst gestellt werden 😉 .

    Das die BRAUER keine Zukunft bei der HADAG hat ist hochwahrscheinlich…

    Hallo Michael,

    „Ein passendes Schiff in greifbarer Nähe“ bedeutet nicht, daß das Schiff jetzt vom Elbwasser umspült sein muß. Schiffe aus portugiesischen Gewässern sind eventuell zu weit entfernt (Seetauglichkeit / Überführungskosten). Aber eventuell gibt es was von der Weser, den Nordseeinseln oder von der Ostseeküste. (An anderer Stelle im Forum war mal von noch vorhandenen H.B.E.L.-Schiffen die Rede. Die sind aber wohl zu klein (Gastronomie) und auch recht langsam.) Der „Kaiser Wilhelm“ ist zwar an der Elbe gebaut, war aber lediglich für die Weser bestimmt. Dennoch steht er heute als legitimer Nachfolger für die Tradition der basedowschen „Lauenburger Dampfer“. Ein passendes Schiff muß deshalb nicht unbedingt ein HADAG-Schiff sein.

    Was die Max Brauer angeht: Seltsamerweise ist sie immer noch beflaggt und ein AIS-Signal sendet sie auch noch.

    Der Werner

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