Olympia in Hamburg

Dieses Thema enthält 16 Antworten und 9 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Werner vor 4 Jahre.

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    HakenHeino
    Mitglied

    Moin, Forum,
    An dieser Stelle möchte ich mal eine Diskussion über hamburgs Olympia- Bewerbung aus Hafensicht anschieben, denn anders als in der extrem einseitigen Berichterstattung in sämtlichen Medien findet man bei Gesprächen mit Kollegen kaum mal einen Fürsprecher, die weitaus meisten sind, wie ich, der Ansicht, daß der arbeitende Mensch bei diesem Kommerzspektakel nichts zu gewinnen hat.
    Ich seh das so:

    1.Dort, wo auf der Werbe- pdf der Befürworter
    (http://www.hamburg.de)
    klotzige Neubauten prangen, befindet sich (jetzt noch-) mein Arbeitsplatz, der Bauhof Lübecker Ufer.
    Auch ansonsten wird im östlichen Hafen wohl kaum ein Stein auf dem anderen bleiben, auch dem historischen Bahnschuppen wird wohl nicht mal der Denkmalschutz helfen.

    2.Selbst wenn mein Arbeitsplatz umziehen sollte (wohin eigentlich?)- auf dem täglichen Arbeitsweg durch den Hafen als einer von 1,8 Mio. Terrorverdächtigen mit vorgehaltener MPi aus dem Auto gezerrt werden und täglich neu meine Unschuld beweisen zu müssen ist etwas, auf das ich gut verzichten kann.

    3. Die Stadt möchte keine Gigantomanie und Prunksucht (Interview Michael Neumann)? Die Knebelverträge des IOC werden Euch schon was anderes erzählen.

    4. Der Versuch des Senats, die wahren Kosten geheimzuhalten bis die Tatsachen vollendet sind, ist einfach nur hochgradig unanständig und verdient unser vollstes Mißtrauen.

    5. Für die hamburger Wirtschaft wäre Olympia eine gute Gelegenheit, alles, und wirklich alles, nochmal ein gutes Stück teurer zu machen, und das nicht nur für die Dauer von 4 Wochen. Und wir können ganz sicher sein, daß unsere Nettolöhne auch dieses Mal nicht mitwachsen werden.

    Was meint Ihr? Ist Euch Olympia egal oder freut Ihr Euch sogar drauf?

    Wer meine Meinung teilen sollte, muß sich aber nicht darauf beschränken, jetzt vorm Bildschirm zustimmend mit dem Kopf zu wackeln.
    An dieser Stelle kan man auch eine online- Petition unterschreiben

    HIER KLICKEN

    Das dauert keine 2 Minuten und kostet nichts.

    Ich freu mich auf eine kontroverse Diskussion!
    Grüße von Heino

    #80003

    tilman
    Teilnehmer

    Moin Heino,

    scheint ja nicht so recht zu klappen mit der – kontroversen – Diskussion, aber wahrscheinlich wird hier doch eher zustimmend „mit dem Kopf gewackelt“.

    Mir persönlich geht Olympia – egal wo – schon sein Jahrzehnten rückseitig vorbei. Bin also kaum kompetent. Fühle mich eigentlich nur davon belästigt. 😉

    Heutige Grossprojekte würden bestimmt nicht mehr angefangen, wenn die tatsächlichen Zahlen vorher bekannt wären.

    Einziger Gewinn für Hamburg könnte internationales Prestige sein. Ob sich der Aufwand lohnt?

    grüsse von
    tilman
    P.S. habe die Petition unterschrieben.

    #80004

    MPG1
    Teilnehmer

    Bzgl. meiner EInstellung zu Olympia ist es bei mir wie bei tilman.
    Ich denke aber, dass es der Infrastruktur Hamburgs sehr zugute kommen würde, wenn die Stadt sich für Olympia herausputzt.
    Das ist zwar ein hoher Preis für Infrstrukturmodernisierung und könnte alles auch ohne Olympia gemacht werden, nur ohne einen solchen Druck bzw Anreiz wird es eben nicht gemacht.

    Von daher ein leichtes Pro für Olympia in HH von mir.

    #80005

    Werner
    Teilnehmer

    Hallo Forum,

    bei Sportübertragungen im Fernsehen schalte ich meistens weg und im Volksparkstadion war ich noch nie. Gilt auch für das Stadion am Millerntor. Mit anderen Worten, Sport schauen interessiert mich nicht so sehr. (Bewege mich lieber selber.)

    Aber für die Stadt Hamburg werden Olympische Spiele ein Gewinn sein. Nicht nur internationales Prestige – auch Infrastruktur und Lebensqualität. Das gilt in ähnlicher Weise für die Orte, an denen Wettkämpfe stattfinden, die in Hamburg nicht möglich sind – zum Beispiel Segeln oder Pferdesport. (Gibt es eigentlich noch olympisches Kanuslalom, also Wildwasserwettbewerbe? Fanden 1972 in Augsburg statt.)

    Ich selbst war 1972 in München gewesen. Allerdings erst nach den Spielen von Oktober bis Dezember. Ohne Olympia hätte München weder U-Bahn noch S-Bahn gehabt. (Vielleicht in der Form bis heute nicht.) Die Olympia-Schwimmhalle, in der der Amerikaner Mark Spitz sieben Goldmedaillen errang, wurde von den Münchenern sehr gut angenommen. Ebenso der Olympiapark um das Stadion.

    Mit der U 4 ist der Anfang für den Anschluß der olympischen Sportstätten bereits gemacht. Da die hauptsächlichen Bauten für die „Hamburger Olympiade“ auf ehemaligem Freihafengelände errichtet werden sollen, wird sie wohl die Hauptlast des Verkehrs zum Olympiastadion tragen. Aber gerade weil es Hafengelände ist, wird auch die HADAG als Zubringer mit eingebunden werden.

    Und das gilt nicht nur für die kurze Zeit der Olympischen- und Paralympischen- Spiele. Ein Teil der Sportstätten wird auch danach noch genutzt werden können. Im Olympischen Dorf werden Wohnungen (eventuell auch für Studenten der HafenCityUniversität) entstehen. Die Olympiaschwimmhalle währe wohl „die Badeanstalt“ für die Hafencitybewohner. Ähnlich wie in München, wird um die Sportstätten ein Park entstehen, der nach Beendigung der Spiele einen gewissen Freizeitwert darstellen dürfte. Auch hier ergibt sich ein „nacholympischer Verkehrsbedarf“, der auch durch Fähren der HADAG ausgeführt werden könnte. Zum Beispiel von den Landungsbrücken (für die St. Paulianer) und vom Baakenhafen zur Schwimmhalle.

    Aus „Grüner-Dampfer-Sicht“ spreche ich mich eher für Olympia aus.

    Es grüßt
    der Werner

    #80006

    Juergen Stein
    Mitglied

    Moin Heino, Moin Jungs,
    Ich beginne mal meinen Beitrag, den du zitiert hast.
    „Die Stadt möchte keine Gigantomie und Prunksucht“ (Interview Michael Neumann)
    Dieser Satz hätte für mich vor über 20 Jahren Gültigkeit gehabt.
    Aus dem maritimen Hamburger Hafen von damals ist doch heute mehr ein Rummelplatz geworden.
    Dort, wo damals die Stülckenwerft stand, tanzt heute „Der König der Löwe“.
    Die Besucher werden mit der HADAG-Fähre in Anzug und Krawatte dort rübergebracht, um sich einen schönen Abend im Rampenlicht zu machen.
    Damals wurden die Werftarbeiter mit alten Barkassen zu ihrem Arbeitsplatz gebracht.
    Hinzu kommt, daß auch die Hafenstraße durch Kapitalismus ihren Charakter mehr oder weniger verloren hat. Aber die Bonzen haben ja das Geld in der Brieftasche.
    Ebenso ging es vor, wie man in Hamburg- Wilhelmsburg die Gartenbau-Ausstellung plante und durchführte.Ich möchte nicht wissen, wieviele Urgesteine aus Wilhelmsburg ihr Feld auf humane Art räumen mußten.
    Aber diese Pleiteveranstaltung ging ja auch zu Lasten der Steuerzahler.
    Und auch in dem damaligen Arbeiterviertel Wilhelmsburg wird bezahlbarer Wohnraum vernichtet, die auf Dauer für die Arbeiterklasse nicht mehr bezahlbar ist.
    Dort, wo man heute versucht, die Elbphilharmonie zu bauen oder wo heute bereits die Hafencity entstanden ist, frage ich mich, ob dieses nicht alles Prunksucht und Größenwahn ist. Auch hier wurde ein ganzes Arbeiterviertel plattgemacht bzw. umgesiedelt. Auch hier blieb der normaler Hafenarbeiter auf der Strecke.
    Aber jeder dusselige Touri wird bei einer Hafenrundfahrt an die Elbphilharmonie vorbeigeführt, damit man denen erzählt, was das für ein wunderschöner Bau wird.
    Ähnliches hat man uns ja auch erzählt, daß der Wohnraum in der Hafencity bezahlbar sein sollte. Ich frage mich, für wen bezahlbar. Mein Geld reicht für meine Miete und öfters mal ein Fischbrötchen an den Landungsbrücken.
    Diese Gigantomie ist doch schon vor Jahren eingeleitet worden.
    Vielleicht geht es dann weiter mit der Gigantomie, falls Hamburg den Zuschlag für die Olympiade bekommt.
    Wieder werden Arbeitsplätze plattgemacht, Firmen umgesiedelt, damit ein neues Baudenkmal entsteht.
    So werden sich dann auch die Hafenrundfahrten ändern, damit man den Touris erzählt, daß hier das modernste Olympiastadion in der Geschichte entsteht. Jeder will ja den Vorgänger dieser Veranstaltung übertreffen.
    Es wäre ja peinlich für Hamburg oder Deutschland, wenn einmal dieser Satz im Hamburger Abendblatt steht: „Es war eine schöne Olympiade in Hamburg, aber damals in Melbourne war sie besser“.
    Und wieder bleibt der normale Hafenarbeiter oder der Charakter der arbeitenden Bevölkerung auf der Strecke, die keinen Nadelstreifen tragen.
    Letztendlich begrüße ich die Olympischen Spiele in Hamburg. Man sollte hier aber vorhandene Sportstätten nutzen.
    Darüber sollte einmal das Olympische Komitee nachdenken. Hauptbestandteil bei den Sommerspielen ist doch die Leichtathletik.
    Dann frage ich mich ganz ehrlich, warum die meisten dieser Stadien mit Laufbahn mehr oder weniger abgerissen wurden. Daraus wurden mehr oder weniger reine Fussballstadien.
    Dann sollen die Herren doch ein neues Olympiastadion im Hamburger Hafen bauen.
    Vorher klopfen sich die Bonzen auf die eigene Schulter, wie toll sie das gemacht haben.
    Und was ist danach ???
    Danach wird keiner mehr darüber reden, weil ja dann dieses „Wunderbauwerk“ vielleicht zu einem Asylantenheim oder zu einer Steuer-Ruine geworden ist.
    Vielleicht ist es auch die Denkensweise der Menschheit, wo vielleicht das historischen Denken auf der Strecke bleibt, um neue Sterne zu erreichen.

    Euch ein schönes Wochenende

    Stoni

    #80007

    MichaelS
    Keymaster

    Moin Zusammen,

    eine kuriose Randnotiz: ich sag nur Moldauhafen 😉 http://www.shz.de/hamburg/olympic-city-vertrag-von-versailles-ist-olympia-2024-im-weg-id10550186.html

    Gruß
    Michael

    #80008

    tobsber
    Mitglied

    mir geht das ganze Gerede über Olympia ganz einfach auf den Keks. Der einzige Gewinner ist das IOC das sämtliche Gewinne einstreícht und finanzieren darf es der Steuerzahler. Ist doch das alte Spielchen. Deshalb meine Stimme bekommen sie bei der Abstimmung nicht.

    Bernd

    #80009

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Die Zeiten ändern sich, haben sie schon immer getan. DEN Hafenarbeiter von früher z. B. gibt es schon lange nicht mehr. Das mag bedauerlich (oder sentimental?) sein, ist aber der Lauf der Zeit. Moderne Olympische Spiele können durchaus anders organisiert sein, als das früher der Fall war. Gigantische Stadionmonumente (wie z. B. in Berlin) weichen inzwischen Einzelstadien, die nach Gebrauch abgebaut (nicht abgerissen!) werden können. Ließe man sie in Hamburg teilweise stehen, könnte die Stadt in der Zukunft endlich auch Austragungsort für andere große Sportveranstaltungen werden. Welt- und Europameisterschaften der Leichtathleten böten sich da beispielsweise an. Olympische Dörfer könnten in erschwinglichen Wohnraum umgewandelt werden, modern und citynah.

    Der ÖPNV könnte, wie damals in München, profitieren und modernisiert aus der olympischen Zeit hervorgehen. Das gilt besonders auch für die dann vielleicht deutlich umweltfreundlicheren HADAG-Fähren. Das erfreut dann später auch die gar nicht so dusseligen Touris, die Jahr für Jahr richtig Kohle in die Hansestadt bringen!

    Klar, während der Spiele wird es voll in Hamburg, werden überall die Preise erhöht (heute sagt man so nett: ‚angepasst‘) und nicht alle olympisch genutzten Anlagen machen nach Olympia und Paralympics noch Sinn. Und selbstverständlich wird der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden. Die Frage ist, was am Ende, also Jahre nach den Spielen übrig bleibt. Ob es dann nicht doch einen Mehrwert für Hamburg und Deutschland gegeben hat – auch einen finanziellen, denn bekanntlich verdienen an Olympia noch mehr mit, als nur das senile IOC.

    Der Hafen wird sein Gesicht ohnehin weiter verändern, das tat er schon immer. Ob man wirklich noch so glücklich wäre mit lärmenden Werften direkt gegenüber den Landungsbrücken? Was die Ölquetschen früher in die Luft geblasen haben, war auch nicht immer lecker, das gilt ebenso für den ‚Ködelhöft‘ am Köhlbrand. Ich jedenfalls würde mich freuen, einmal im Leben hautnah an einem solchen Großerlebnis teilhaben zu können.

    Es grüßt

    Michael

    #80010

    Werner
    Teilnehmer

    Hallo Forum,

    wenn ich WIKIPEDIA glauben darf, dann hat der Versailler Vertrag gar keine Gültigkeit mehr. Unter der Überschrift Moldauhafen steht dort zu lesen:

    Mit dem Erlöschen des Versailler Vertrags nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Pachtvertrag den Charakter eines rein privatrechtlichen Vertrags zwischen der Hansestadt Hamburg als Grundeigentümer und der Tschechischen Republik.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Moldauhafen

    So gesehen ist das Gebiet um den Moldauhafen nicht anders zu bewerten, wie jedes andere Unternehmen im Hafen, welches aus dem einen oder anderem Grunde umgesiedelt wurde. (Sowohl aus der Speicherstadt als auch aus dem Gebiet der jetzigen HafenCity mussten viele Betriebe umziehen.)

    Der Wandel ist stetig. Auf dem Areal der unlängst zum Weltkulturerbe erhobenen Speicherstadt wurde ein doch recht großes Gebiet abgerissen, wo ein funktionierendes Leben stattfand. Dort gab es bis 1883 (= Baubeginn der Speicherstadt) in erster Linie Wohnungen in denen Familien lebten. Aber auch Kleinbetriebe und Ladengeschäfte jeglicher Art, Gaststätten und Kneipen. All das wurde abgerissen um zollfrei Waren, die von Quartiersleuten gepflegt wurden, aus und für den Hafen zollfrei in großen Speichern lagern zu können. Es ist mir nicht bekannt, wie sehr sich die dort wohnende Bevölkerung gegen den Abriss gewehrt hat. Aber letztendlich hat die Speicherstadt bis in die jüngere Vergangenheit dem Hafen Vorteile erbracht. Die Barkassenschipper rufen bis heute: „… auch durch die Speicherstadt“ weil sie der Meinung sind dadurch ein paar Gäste mehr an Bord zu haben. Was wären wir also ohne…

    Jetzt wird darüber nachgedacht, ein Gebiet des Hafens für Olympia zu nutzen. Und wie ist die Reaktion darauf? Als erstes kommt „was kostet das“. Und dann wird geklagt „alles wird dann teurer“. Weshalb sieht kaum jemand die Chancen? Sicher ist die Elbphilharmonie preislich aus dem Ruder gelaufen – aber andere Großprojekte – wie zum Beispiel die U4 – sind im im Kostenrahmen geblieben.

    Abgesehen vom Thema Olympia, frage ich mich vielmehr, ob es in zwanzig oder dreißig Jahren überhaupt noch einen lebendigen Hafen geben wird. Das immer tiefere Ausbaggern der Elbe war schon immer ein Thema. Über die anstehende Vertiefung ist endgültig noch nicht entschieden. Da nützt auch der Zweckoptimismus von Wirtschaft und Politik nichts – ich befürchte ein Nein zur Elbvertiefung. Und wenn denn die nächste und übernächste Generation der Containerschiffe ansteht haben die noch mal zwei vielleicht drei Meter mehr Tiefgang. Und wenn denn vor Blankenese immer tiefer gebaggert wird, rutscht irgendwann der Süllberg in die Elbe. Will damit sagen, daß es ein immer weiter bis ins Endlose nicht geben wird.

    Sicher hat Kaiser Friedrich Barbarosse im Jahre 1189 nicht an heutige Containerschiffe gedacht, als er Hamburg den Freibrief ausstellte. Denn dann hätte er bestimmt einen anderen Ort gewählt; einen, der nicht hundert Kilometer vom Meer entfernt im Binnenland liegt.

    Vielleicht wird der Hafen dann ein Freizeitparadies mit Industrieflair – ähnlich dem Ruhrgebiet. Dort wurde aus Industriestruktur auch Industriekultur. Zeche Zollverein ist Weltkulturerbe wie unsere Speicherstadt. In den 50er Schuppen befindet sich nicht nur das „Hafenmuseum“, dort finden auch großartige Events statt, die zum Beispiel von Barbara Schöneberger moderiert werden (Deutscher Radiopreis am 3. September 2015). Und mit der Umwandlung der Stülcken-Werft in mittlerweile zwei Theaterbauten hat der Wandel schon lange begonnen. Dann passen zukünftig Stadion und / oder Schwimmhalle – ob für Olympia gebaut oder nicht – auch ins Bild.

    Link zum Radiopreis (runterscrollen bis „Die Gala“):
    http://www.deutscher-radiopreis.de/radiopreis/preis/Deutscher-Radiopreis-Das-Wichtigste-auf-einen-Blick,radiopreisfaq100.html

    Vision für 2068: Die Elbe zwischen Cuxhaven und Hamburg ist nur noch zehn bis zwölf Meter tief. Hamburg hat nur noch für Feederschiffe Bedeutung, die Container vom Jade-Weser-Port oder aus Rotterdam nach Hamburg bringen. Ein Umschlag auf Binnenschiffe wird weiterhin stattfinden. Ebenso wird Hamburg für Kreuzfahrer interessant bleiben. Dock Elbe 17 ist die Sensation des „Deutschen Schiffbaumuseums“ auf dem Gelände von Blohm & Voss – unter Denkmalschutz stehende Maritime Industriekultur. Die HADAG wird es weiterhin geben. Die Hafenrundfahrt wird mehr ein Sightseeing durch Speicherstadt, HafenCity und zu maritimen Denkmalen sein.
    Vergleicht die Situation mal mit Bremen – nicht Bremerhafen.

    Verbaut Hamburg nicht die Aussicht auf Olympia. Seit Feuer und Flamme für Olympia.

    Es grüßt
    der Werner

    #80011

    Werner
    Teilnehmer

    Hallo Forum,

    auf NDR 90,3 wird gemeldet, daß es wohl eine Lösung für den im geplanten Olympiagebiet gelegenen Moldauhafen gibt. Demnach soll eine Fläche beim Container-Terminal „Tollerort“ im Gespräch sein.

    Mehr dazu auch im „Hamburg Journal“ um 19:30 Uhr.

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/Hamburg-Journal,sendung421224.html

    Es grüßt
    der Werner

    #80012

    HakenHeino
    Mitglied

    Moin, Forum,
    jetzt geht es in die Endrunde,die Stimmzettel für die Abstimmung gehen seit heute raus.
    Und wer die vergangenen Wochen und Monate genutzt hat, um sich weitergehend zu informieren, den packt das blanke Entsetzen.

    Zitat Werner: wie ist die Reaktion darauf? Als erstes kommt „was kostet das“. Und dann wird geklagt „alles wird dann teurer“. Weshalb sieht kaum jemand die Chancen?

    Selbstverständlich muß man fragen „was kostet das“.Bei einer so gigantischen Geldverbrennungsmaschine darf man das nicht unterlassen.
    Runde 11 Milliarden € hat Olaf veranschlagt. Das Lachen darüber bleibt einem im Halse Stecken, allzu offensichtlich ist, was dann noch kommt.
    Bei den Spielen 2012 in London hat die maßlos überzogene Terrorhysterie Berichten zufolge allein 1,3 Milliarden gekostet.
    Das sind mehr als 10% von Olafs Gesamtplanung. Kein Wort davon, das vor dem Beginn der Bauarbeiten das bisherige Hafenareal auf Sturmflutsicheres Niveau erhöht werden muß.
    Und die auf 5 bis 7 Milliarden geschätzten Umzugskosten der Hafenfirmen dürften da auch nicht mit drin sein, den die kommen- achtung, Hütchenspielertrick- nicht direkt aus Hamburgs Stadtsäckel, sondern vom Vermieter der Hafenflächen, der HPA.
    Und überhaupt, die ganz große Lawine kommt erst, wenn die „Host City Contracts“, die Knebelverträge des IOC, im Rathaus ankommen.
    Auf der Website von NOlympia lesen wir:

    Zitat:Mit den ausrichtenden Städten schließt das IOC geradezu sittenwidrige Knebelverträge, die „Host City Contracts“. Darin müssen (!) sich die Städte verpflichten, eine „gesamtschuldnerische Haftung“ in unbegrenzter Höhe für sämtliche Anforderungen zur Durchführung der Olympiade zu übernehmen – was der Hamburger Rechnungshof in einem internen Bericht, der Mitte August bekannt wurde, grundlegend als „nicht quantifizierbares Risiko“ kritisiert.

    „Das IOC übernimmt keinerlei finanzielle Haftung hinsichtlich Ausrichtung und Durchführung der Olympischen Spiele.“
    Kapitel 5, Regel 37.1 der Olympischen Charta

    Sämtliche Zoll- und Steuerauflagen werden für das IOC, seine GeschäftspartnerInnen sowie alle olympischen Beschäftigten aufgehoben. Die IOC-Mitglieder genießen juristische Immunität, können also bei Straftaten genauso wenig verfolgt werden wie ParlamentarierInnen oder DiplomatInnen.

    Die ausrichtenden Städte müssen den hohen Herren wortwörtlich den roten Teppich ausrollen: Das IOC lässt sich eigene Fahrspuren („olympic lanes“) garantieren, durch Vertrag werden sogar lächelndes Hotelpersonal und gut ausgestattete Mini-Bars in den Zimmern garantiert. 2014 legte das IOC einen 7.000 Seiten langen Katalog mit derartigen Sonderbedingungen und exklusiven Forderungen für die Bewerbung Oslos zu den olympischen Winterspielen 2022 vor – zur sofortigen Unterschrift. Die Bevölkerung lehnte das ab, und die konservative norwegische Regierung nahm die Bewerbung zurück – ein gutes Vorbild!

    Unter dem Druck einer kritischen Weltöffentlichkeit hat das IOC zwar Strukturreformen angekündigt – darauf kann man aber lange warten, da nur unkonkrete Absichtserklärungen gemacht wurden und zwar von denselben FunktionärInnen, die auch bisher gut am Geschäft mit Olympia verdient haben.

    Wiederspruch zwecklos, wenn erstmal unterschrieben ist.
    Denn wie heißt es in Artikel 34 der Olympischen Charta?

    Zitat„Jede Bewerberstadt hat die Pflicht, die Olympische Charta und jede andere Regelung und Vorgabe, die von der IOC-Exekutivkommission erlassen wird, sowie alle technischen Vorschriften (…) zu befolgen.“

    Damit überreicht Hamburg den Schlüssel der Stadt an das IOC.

    Wir kommen um die Einsicht nicht herum, daß weder Kosten noch Folgen dieses Abenteuers auch nur im mindesten absehbar sind. In einer Pressemitteilung zur Olympia-Studie der Universität Oxford, 2012 heißt es:

    Zitat „Eine Olympiade ist für eine Stadt oder ein Land eines der finanziell riskantesten Projekte überhaupt.“

    Zum Abschluß noch ein Auszug aus der Wikipedia- Eintrag der Olympiade 2012 in London, der sich mit der Situation der Anwohner befaßt:

    Zitat:Shelter, eine Wohlfahrtsorganisation für Obdachlose, berichtete im Februar 2012, Vermieter in der Nähe der Wettkampfanlagen im Osten Londons hätten Mietzinse erhöht oder Mietverträge mit neuen Klauseln versehen, mit denen die Mieter vor den Olympischen Spielen zur Aufgabe ihrer Wohnungen gezwungen würden. Das zuständige Ministerium für Gemeinwesen und Lokalverwaltung entgegnete, es gäbe keine Hinweise auf solche Praktiken.[110] Drei Monate später berichtete jedoch die BBC, Shelter lägen Beweise vor, wonach Vermieter skrupellos handelten und Bewohner illegal zur Räumung zwangen. Die BBC zitierte einen Immobilienmakler, wonach Wohnungen, die üblicherweise 350 Pfund pro Woche kosten, nun für 6000 Pfund pro Woche angeboten würden. Die potenziellen Profite hätten einige Vermieter dazu bewogen, Mieter äußerst kurzfristig zum Verlassen ihrer Wohnungen zu zwingen.[111]

    „Chancen“ mag darin sehen, wer will, ich jedenfalls kann nur hoffen, daß genügend Hamburger die Mühe auf sich nehmen, sich im Vorwege ausreichend zu informieren und daß ihnen ihre (unsere) Stadt immerhin soviel wert ist, den Arsch von der Couch zu heben und ins Wahllokal zu bewegen.

    Gruß von Heino

    #80013

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Das ist ja mal eine ausführliche Stellungnahme! Weniger schön ist vielleicht der etwas derbe Wahlaufruf, aber geschenkt. Bei aller berechtigter Kritik gibt es aber auch Aspekte, die ebenfalls ins Kalkül gezogen werden sollten. Als (geborener) Hamburger habe ich zum Beispiel mit Wehmut gesehen, wie einst prosperierende Hafengebiete zu Industriebrachen verkamen. Im Zuge einer wachsenden Stadt bieten gerade diese Gebiete enormes Entwicklungspotential. Wenn z. B. die oberen Häfen im Zuge der Spiele flutsicher gemacht werden, haben die Hamburger anschließend gut davon – tolle, neue Wohngebiete in Citynähe, optimal erschlossen. Mir fielen da noch etliche Synergieeffekte ein, die bilanziert gehören.

    #80014

    Werner
    Teilnehmer

    Hallo Forum,

    alles kostet Geld. Die Elbphilharmonie, die Hochbahnlinie U4, die Hafencity – auch die haben Geld gekostet und kosten noch weiter, weil die Arbeiten daran zur Zeit noch immer fortgesetzt werden (müssen). Aber man bekommt dafür auch einen Gegenwert. Gut – wer sich für Kultur nicht interessiert, wer weder die Staatsoper noch die Laeiszhalle (= Musikhalle) besucht, der wird sagen „was brauchen wir eine Elbphilharmonie“ und schimpft auf die Kosten. Das bedeutet nicht, daß die Kulturinteressierten die Kostenexplosion gutheißen. Aber sie sehen den Bau nicht nur negativ. Und so wird auch Olympia in Hamburg Geld kosten. Es wird baulich und infrastrukturell einiges angeschoben werden, was sonst nie realisiert werden würde. Hier von einer Geldverbrennungsmaschine zu sprechen finde ich nicht richtig; denn vieles, was mit olympischem Geld geschaffen wurde bleibt weiterhin erhalten und nutzbar. Ob errichtete Stadien und Hallen nach Olympia 2024 wirklich genutzt werden, hängt dann vom nacholympischen Veranstaltungskonzept ab. (Wer garantiert eigentlich, daß die Elbphilharmonie von Künstlern und / oder dem Publikum nach der Neugierphase angenommen wird.) Es sind dann aber Baulichkeiten vorhanden, die mit etwas Geschick für Hamburg auch Geld verdienen können.
    Ein Vergleich: Die Ablösesummen von irgendwelchen Fußballspielern aus der Bundesliga sind ebenfalls horrend. Dann zieht sich ein für Millionen eingekaufter Star vor dem ersten Spiel beim Training einen komplizierten Kreuzbandriss zu. Fällt für zwölf Wochen aus. Eine tolle Investition über die keiner schimpft.
    Letztendlich trägt Hamburg die Kosten nicht alleine. Ein Großteil muß und wird vom Bund finanziert werden. Denn Olympia rückt nicht nur Hamburg, sondern ganz Deutschland mit einem (hoffentlich) positiven Event in den Fokus der ganzen Welt. Den dauerhaften Nutzen der geschaffenen Infrastruktur hat jedoch Hamburg.

    @hakenheino wrote:

    Kein Wort davon, das vor dem Beginn der Bauarbeiten das bisherige Hafenareal auf Sturmflutsicheres Niveau erhöht werden muß.

    Die Hafencity – von Kehrwieder bis zum Baakenhafen – wurde auch auf sturmflutsicheres Niveau erhöht. Anscheinend problemlos. Und ich schließe es nicht aus, daß die von Reeperbahn angesprochenen Industriebrachen deswegen brachliegen, weil sie nicht sturmflutsicher sind. Somit würden auch diese Ausgaben dauerhaft nützlich sein. Reeperbahn hat‘s schon geschrieben.
    Wenn sich die (Alpen-)Bevölkerung gegen olympische Winterspiele ausspricht, weil durch zu errichtende Sportanlagen intakte Natur vernichtet wird, ist es etwas anderes als hier in Hamburg. Ein nicht sonderlich schön zu nennendes Hafengebiet, ohne erhaltenswerte historische Bausubstanz und mit weiten ungenutzten Flächen erhält eine Verjüngungskur. Mit großer Wahrscheinlichkeit sogar eine Verjüngungskur mit Nachhaltigkeit.

    Steigende Mieten: Olympianahe Wohnungen würden in der Hafencity sein. Und auch ich liege nicht in der Gehaltsstufe, daß ich mich im Marco-Polo-Tower einquartieren kann oder will. Also, da werden wohl keine Sozialwohnungsmieter verdrängt werden. Zudem kenne ich den Londoner Wohnungsmarkt zu wenig (eigentlich gar nicht) um zu beurteilen, wie weit er mit Hamburg zu vergleichen ist. Auch frage ich mich, wie zu Olympia überteuerte Wohnungen nach den Spielen hochpreisig zu vermieten sind. Steigt der Mietpreis, wenn an der Eingangstür ein Schild angebracht wird, daß dort ein zwei-, drei- oder vierfacher Goldmedailljengewinner genächtigt hat???
    Steigende Mieten und Verdrängung der in Wilhelmsburg und Veddel wohnenden Bevölkerung wurde auch als Argument gegen die IGS 2013 und der IBA angeführt. Ich sehe nicht, daß sich das großartig bewahrheitet hat. Zudem gehört ein großer Teil der dort vorhandenen Wohnungen der SAGA – also der Stadt. Diese Wohnungen und Wohnungen von Genossenschaften sind eventuellen Miethaien schon mal nicht zugänglich.
    Man sollte jedoch aufpassen, daß zum Beispiel Eis, Bratwurst und Pommes und ähnliches nicht mit einem deftigen Olympiazuschlag verkauft werden, der nach den Spielen nur zu 25% zurückgenommen wird. Gleiches gilt für Hafenrundfahrten, die bis 2024 auch ohne Olympia schon auf 22 bis 24 Euro geklettert sein werden.

    Von der Website von NOlympia wird zitiert:

    Die ausrichtenden Städte müssen den hohen Herren wortwörtlich den roten Teppich ausrollen: Das IOC lässt sich eigene Fahrspuren („olympic lanes“) garantieren, durch Vertrag werden sogar lächelndes Hotelpersonal und gut ausgestattete Mini-Bars in den Zimmern garantiert. 2014 legte das IOC einen 7.000 Seiten langen Katalog mit derartigen Sonderbedingungen und exklusiven Forderungen für die Bewerbung Oslos zu den olympischen Winterspielen 2022 vor – zur sofortigen Unterschrift. Die Bevölkerung lehnte das ab, und die konservative norwegische Regierung nahm die Bewerbung zurück – ein gutes Vorbild!

    Nun – es gibt ja immer zwei Seiten, die einen Vertrag unterschreiben. Und hier möchte ich mal bildhaft übertreiben: Wenn die vom IOC verlangen, daß die Binnenalster zugeschüttet wird um einen Busparkplatz draus zu machen, oder wenn der Michel abgerissen werden soll weil er der Eröffnungs-Show im Wege steht, kann ich mir die Unterschrift von Seiten Hamburgs nicht vorstellen.
    Ernsthaft – es gibt überall auf der Welt Leute, die gegen alles sind, was Politiker vorschlagen. Ich muß diesen Pessimisten nicht hinterherlaufen. Es existiert eine Art „Dagegenkultur“. In Hamburg ist man gegen die Stadtbahn (Straßenbahn), gegen die Busbeschleunigung und wundert sich hinterher, daß man im Stau steht und in der City keine Parkplätze bekommt.

    Wollen wir mal hoffen daß Olympia 2024 nach Hamburg kommt. Dann freuen sich alle hier im Forum über die neuen HADAG-Schiffe, über neue Fährlinien und dauerhafte oder temporäre Anleger (siehe hier im Forum unter HADAG und Olympia).

    Es grüßt
    der Werner

    #80015

    HakenHeino
    Mitglied

    Moin, Forum,
    Ich bin nicht automatisch gegen alles und jedes, aber ich sehe einfach nicht, wo diese Geldmassen herkommen sollen.
    Zitat Werner:

    Ein Großteil muß und wird vom Bund finanziert werden.

    Der Bund hat bereiteits abgewunken.

    Wir haben ja nicht nur eine Elphi, die noch nicht bezahlt ist, der Steuerzahler muß auch noch für die kriminellen Zocker in den Vorstandsetagen der HSH Nordbank aufkommen, was nochmal ein vielfaches kosten könnte. Und die Flüchtlingsströme haben den Blick der Öffentlichkeit von dem eigentlichen Problem dieses Landes abgelenkt,nämlich einer auf dem allerletzten Loch pfeifenden, weil seit Jahren auf Verschleiß gefahrenen öffentlichen Daseinsvorsorge, die die funktionsfähigkeit der Stadt betrifft und die mittlerweile sogar die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr gefährdet (!)
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/Feuerwehr-in-Not,minuten1774.html
    Man überlege sich mal, was das bedeutet.
    Aus meiner Sicht kommen wir einfach um die Feststellung nicht rum, daß Hamburg auch ohne Olympia schon deutlich mehr Probleme hat, als es wuppen kann.
    Gruß von Heino

    #80016

    untereste
    Teilnehmer

    Hallo allerseits,

    ich muss gestehen, ich sehe das im großen und ganzen wie Heino. Und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich weiß, von welchen Industriebrachen hier gesprochen wird, wirklich großflächigen Leerstand gibt es doch eigentlich nur um den Moldauhafen (Tschechen Hafen), auf den für Olympia ohnehin nicht einfach so zurück gegriffen werden kann. Ansonsten ist der Kleine Grasbrook doch noch recht gut mit Umschlagunternehmen bestückt. Der Kühlumschlag im Hansahafen ist zwar nicht der Rede wert, aber z.B. die allgegenwertigen gelben Riesen von Grimaldi zeigen doch, dass die Anlagen benutzt und gebraucht werden. Gleiches gilt für die Anlage der HPA am Lübecker Ufer, die für Olympia auf der Abschussliste steht, wären Werftbetrieb und die anderen Anlagen überflüssig, dann wären sie doch längst geschlossen. Unterm Strich ist in dem vermeintlich toten Gebiet noch weit mehr los, als man vielleicht meint, auch wenn nicht mehr so viele Hafenarbeiter durch die Gegend laufen wie vor Jahrzehnten. Und hier kommt meine Frage: Wo sollen diese funktionierenden Betriebe hin? Für Autoumschlag von Grimaldi und Co. gibt es in Hamburg schlicht keinen anderen Platz mehr. Ist es also in Ordnung, wenn eine Hafenstadt solche Wirtschaftszweige einfach vertreibt …z.B. nach Cuxhaven oder Bremerhaven? Ich denke nicht! Gleiche Frage zu einem möglichen neuen Standort für den Betrieb vom Lübecker Ufer. Ich habe keine Idee.
    Diese Entwicklung der Verdrängung vom Hafen aus dem Hafen (wenn man so will) ist aber schon lange an vielen Ecken zu beobachten. Die Schlepper von Meyrose werden z.B. ihre Plätze an den Vorsetzten räumen müssen, wenn dort der nächste Teil der Hochwasserschutzanlage entsteht (soweit ich da informiert bin) und müssen in den Travehafen umziehen, der allerdings langfristig auch auf der roten Liste der Häfen steht, die für Containerstellplätze zugeschüttet werden sollen, auch wenn er da nach hinten geschoben wurde. Ich finde es das traurig und kann nicht verstehen, wieso nicht versucht wird „Industriekultur“ mit dem was man sich unter einem modernen, „anwohnerfreundlichen“ Hafen vorstellt zu verbinden.
    Mal ganz abgesehen von alle dem, Hamburg schwimmt seit Jahren auf einer gewaltigen Erfolgswelle, was die Entwicklung im Bereich Tourismus usw. angeht (obwohl, wie Heino schon schreib, an allen Ecken gespart wird und das auch im Bereich der Kultur, denn wer braucht schon Kleinkunst, private Theater und dergleichen, wenn man gut beleuchtete Protzbauten vorweisen kann?) und hat daher solche Aufmerksamkeit gar nicht nötig. Und wir wissen ja alle, was mit Seifenblasen passiert…
    Zum Thema Stadtentwicklung kann ich nur eins sagen, jede Großstadt entwickelt sich, schafft Wohnraum, Infrastruktur usw., das muss sie ganz einfach, um im Wettbewerb bestehen zu können und es passiert zu jeder Zeit, allerdings immer im Rahmen nicht zuletzt der finanziellen Möglichkeiten, die in Hamburg nun mal im Moment etwas ausgereizt sind. Quantensprünge auf Pump sind daher aus meiner Sicht nicht die beste Idee, selbst wenn es sich vielleicht irgendwann rechnet, denn bis „irgendwann“ ist es noch lange hin und in der Zwischenzeit könnten sich noch wichtigere Verwendungen für solche Summen ergeben …und wenn sie „nur“ in Schulen, Straßen oder vielleicht nur einen Spielplatz gesteckt wird, der der Weltöffentlichkeit gar nicht bekannt ist, obwohl er eine funktionierende Schaukel vorweisen kann. 😉

    Gruß
    Jan

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