Was passiert wenn ?

Dieses Thema enthält 8 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Seemoewengeheimdienst vor 8 Jahre, 11 Monate.

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  • #70133

    Faehre
    Mitglied

    Moin Forum,

    mir brennt schon seit langen folgende Frage unter der Zunge. ;D

    Was passiert, wenn der Schiffsführer bei dem Einmannschiff plötzlich ausfällt? Herzinfarkt, Schlaganfall ect.

    Von der Bahn her kennt man ja die Totmannschaltung. Wird die nicht korrekt bedient, erfolgt eine Zwangsbremsung. Schiff hat ja als solches keine Bremse, aber ich könnte mir vorstellen, das es da eine Antriebsabschaltung gibt. Oder gibt es da keine solche Sicherheitseinrichtung. ??? Ok, beim Bus gibt es das auch nicht. Aber ich kann mir nicht vorstellen, das man eine Fähre führerlos durch den Hafen pflügen läßt.

    Bin mal gespannt auf die Antworten. Klärt einen Nichtwissenden der Schifftechnik mal auf.

    #75539

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Das ist zunächst einfach zu beantworten: Nein, es gibt keinerlei Sicherungseinrichtung! Der Dampfer ackert weiter, bis die Hindernisse zu groß oder die Wassertiefe zu gering werden. Wenn es denn überhaupt jemand (rechtzeitig) mitbekommt, z. B. der Gastro-Steward, kann dieser hoffentlich zumindest die Fahrhebel auf Stopp stellen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Smutje die Notlage rechtzeitig erkennt, dürfte gegen Null tendieren. :-[ Der Schipper muss keinerlei Tasten drücken, weder dauerhaft noch regelmäßig. Da ist selbst die Hochbahn besser abgesichert, der Zugführer hat ein Pedal in einer bestimmten Stellung zu halten (oder den Mikrophonknopf zu drücken 😉 ), sonst kommt es zur Zwangsbremsung.

    Michael

    #75540

    Faehre
    Mitglied

    Danke für die Aufklärung. 🙂

    Da sollte man doch als Fahrgast ab u. zu mal zur Brücke schauen, ob der Schipper noch grade im Sessel sitzt. Wenn die Tür zur Brücke nicht von innen verschlossen ist, könnte man da helfen. Fahrhebel auf 0, wird ja nicht das Ding sein. Kiosk unten, ist ja nicht immer geöffnet auf jedem Schiff, da ist der ganz allein da oben.

    Na ja, wenn das Schiff plötzlich extrem Schlangenlinie oder im Kreis fährt, sollte man schon mal nach oben schauen.

    #75541

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Zum Glück sind die beschrieben Szenarien nur hypothetisch und so wohl auch noch nicht eingetreten. Ich glaube auch, dass es keinen Anlass gibt, dauernd besorgt zum Ruderhaus zu schauen. Überhaupt bestand das Risiko schon immer, denn der Schiffsführer z. B. auf einem Typschiff war meist allein da oben. Und da konnten ihn die Fahrgäste noch nicht einmal sehen. Die Türen sind übrigens nicht, wie etwa bei der Hochbahn, abgeschlossen.

    Andererseits ist es in früheren Tagen beispielsweise schon mal vorgekommen, dass ein Schiffsführer durch das Herumwirbeln eines Holzruders k.o. geschlagen wurde, weil es früher noch nicht den deswegen vorgeschriebenen, äußeren Ring gab. Die freistehenden Pins (Zapfen) paßten prima unter’s Kinn. Es brauchte also keine lebensbedrohlichen Herzattacken, um den Schipper außer Gefecht zu setzen. 😉 Aber da gab es wenigstens noch einen Decksmann. Wenn der allerdings gerade an Deck und nicht im Ruderhaus war, entging ihm der Vorfall natürlich auch… :'(

    #75542

    Faehre
    Mitglied

    Ok, technisch machbar sollte eine Totmannschaltung aber sein. Ich denke da an ein elektrisch gesteuertes Ventil in der Treibstoffleitung der Fahrmotoren, was die Zufuhr absperrt, wenn der Schipper nicht bei aufleuchten einen Taster drückt. Die Funktion muß ja nur sein, wenn der Hebel auf Fahrt steht. Kann auch nicht so sehr teuer sein.

    Sicher, bislang ist noch nichts gravierendes passiert. Aber vorbeugen ist die Mutter der Porzellankiste. ;D Hinterher heißt es dann wieso, warum, falls etwas gravierendes passiert ist.

    #75543

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Ganz so einfach ist es aber auch nicht. Anders, als z. B. bei der Bahn, drehen die Propeller ja auch dann noch, wenn das Schiff z. B. am Ponton liegt. Oder mit niedriger Drehzahl gegen den Strom fährt. Und in beiden Fällen kann es durchaus sein, dass der Schiffsführer seinen Platz verläßt, um etwa auf die Nock zu treten oder was auch immer. Dann wäre dieser Schalter entweder solange zu überbrücken, oder es gäbe Alarm. Natürlich ist Vorsicht immer besser, als Nachtschicht 😀 , aber solange nicht wirklich etwas passiert ist, wird es niemanden geben, der laut nach solcher Technik ruft. Zumal dann alle Schiffe betroffen wären, die mit nur einem Mann auf Brücke gefahren werden.

    #75544

    Faehre
    Mitglied

    Stimmt, das hatte ich nicht auf der Platte. ;D Da braucht man dann noch einen Drehzahlsensor, der das Sicherheitssystem erst bei höherer Drehzahl aktiviert.
    Das wird dann kompliziert mit der Schaltung, damit Störanfällig u. wohl auch zu teuer.

    Na ja, eine kleine Diskussion, war das Thema wert fand ich. 😉

    #75545

    Reeperbahn
    Teilnehmer

    Ich schon lange – und es ließe sich noch ausweiten. Z. B. wer in einem Notfall die Minislide aktiviert. Aber das Thema hatten wir hier wohl schon mal… ::)

    #75546

    Eine Notabschaltung ist so gar nicht sinnvoll bei einem Schiff. Wenn die Maschine steht, steht das Schiff ja nicht (anders als beim Zug) sondern ist weiterhin der Strömung ausgesetzt.

    Eine Notabschaltung würde aus einem führerlosen Schiff ein führerloses und antriebsloses Schiff machen, was die Lage nicht besser macht und die Steuerung durch eine unkundige Person deutlich behindert.

    Nehmen wir einmal an, der Schiffsführer wird ohnmächtig, jemand bemerkt das und hat den Mut, ins Ruderhaus zu gehen und das Steuer zu übernehmen. Erst einmal akut drohende Kollision verhindern, Durchsage im Fahrgastraum ob ein Arzt an Bord ist, über Funk um Hilfe bitten, dann vermutlich nach Neumühlen fahren und den Dampfer zur Evakuierung auf den Strand schieben. Ich denke, derjenige hätte dann genug zu tun als dass er sich noch um die Wiederingangsetzung der Maschine kümmern müsste.

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