Zwillinge

Dieses Thema enthält 0 Antworten und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Reeperbahn vor 13 Jahre.

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    Reeperbahn
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    Zwischen den großen Serien der Typschiffe und den sogenannten Ein-Mann-Fähren wurde die Flotte der Hadag durch verschiedene Zwillingspaare ergänzt.

    1. Max und Moritz
    Fast zeitgleich mit den Typschiffen, kamen 1960 zwei speziell für die Hafenrundfahrt gebaute Barkassen in Fahrt. Beide deutlich größer als die bis dahin üblichen Rundfahrtbarkassen und in einem sehr modernen Design von der Sietas Werft in Neuenfelde. Rundum verglast und mit absenkbaren Panoramafenstern an den Seiten, mit einfacher Bordgastronomie und vernünftigen WC´s, machten sie den Rundfahrtbarkassen der Mitbewerber das Leben schwer. Um eine dichtere Taktfolge in der Rundfahrt zu realisieren, kam 1963 die noch einmal etwas größere Plisch und Plum dazu, das wohl einzige Schiff der Hadag, welches in Lübeck gebaut wurde. Während der Zweischrauber (noch eine Besonderheit) Plisch und Plum später in Nienstedten umbenannt und um 2 m verlängert noch lange seinen Dienst zwischen Blankenese und Neuenfelde/Cranz versah, gingen die praktisch nie außerhalb der Hafenrundfahrt eingesetzten Max und Moritz 1971 nach Skandinavien, wo sie noch immer im Einsatz sind. Die Nienstedten ist inzwischen in Cuxhaven zu Hause…

    2. Traf 1 und Traf 2
    Tragflächenboote, kurz Traf genannt, fanden für wenige Jahre ihren Weg an die Elbe. Man wollte mit ihnen den Verkehr nach Schulau beschleunigen und plante gemeinsam mit dem Unternehmer Harms weitere Linien. Dazu kam es nie, denn die beiden kleinen Tragflächenboote waren in vielerlei Hinsicht ungeeignet für den Einsatz auf der Elbe. Die Antriebstechnik war anfällig, die Kapazität viel zu gering, der Kraftstoffverbrauch erheblich und die Tragflächen sehr empfindlich. Während schweres Treibgut, z. B. Holz diese beschädigte, verhinderte bereits leichtes Treibgut, z. B. ein alter Jutesack, Damenstrümpfe usw., dass die Boote überhaupt aus dem Wasser und zum Gleiten kamen. Und damals schwamm noch so allerlei in der Elbe…

    3. Rudolf Kinau und Carl Kircheiss
    Dazu gibt es schon Informationen an anderem Ort in diesem Forum…(tolle Schiffe übrigens, mit Becker-Ruder zum Seitwärtsfahren…)

    4. Hans Albers und Jan Molsen
    Siehe Kinau/Kircheiss

    5. Scharhörn und Neuwerk
    Das sind eigentlich die wahren,ersten Ein-Mann-Fähre der Hadag gewesen! Noch etwas im Stil der alten Jollenführer 1, 2 und 3 mit einem vorderen und einem achteren Salon gebaut. Beide kamen von der Werft Buschmann in Hamburg und sollten auf diversen Routen im Hafen eingesetzt werden können. Um sie brückengängig z. B. für den Reiherstieg zu bekommen, waren Signal- und Radarmast hydraulisch klappbar. Den unterschiedlichen Pontonhöhen sollte eine ebenfalls hydraulisch zu betätigende Aus-/Einstiegsplattform gerecht werden. Die Dinger funktionierten aber nie zuverlässig, so dass man gar nicht erst versuchte, von den hohen Pontons zu verkehren. Eine weitere Besonderheit der beiden war das Bugstrahlruder. Das gab es im Hafen bei der Hadag bis dahin nicht. Es wurde erforderlich, weil die Neuwerk und die Scharhörn im Gegensatz zu den erwähnten Jollenführern ein eckiges Heck hatten. Damit kann man nicht einfach ablegen, indem man losfährt und gemütlich abdreht, denn so ein Heck läßt das Schiff immer wieder heranklappen. Leider wurden die Bugstrahlruder sehr weit vorn installiert, so dass man mit ihnen allein das Schiff nicht am Ponton halten konnte. Das Schiff drehte dann den Bug an Land und der Rest des Schiffes schwenkte vom Ponton weg. Ein Fehler, dan man bei den späteren Ein-Mann-Fähren nicht machen sollte.

    Trotz allem wurden beide Schiffe sehr intensiv auf verschiedenen Routen, besonders die Neuwerk in der Fähre 7 genutzt. Da beide Schiffe sehr tief lagen, kam schon bei leichtem Wellengang stets Gischt über den Bug, man mußte also häufig den Scheibenwischer anschmeissen. Deshalb entschloss man sich später, das Schanzkleid umzubauen, indem man es nach vorn neigte. Viel besser war das aber nicht!

    Einen Sondereinsatz hatte die Neuwerk für die von der Hadag bereederten England-Fähre: bei der Prinz Hamlet war einmal das Bugstrahlruder defekt. Da Schlepper in Hamburg relativ teuer sind, schickte man flugs die Neuwerk zur Brücke 9 und ließ das kleine Schiff die große Fähre am Bug in den Strom schieben! Dabei ramponierte sich die Neuwerk gehörig den Bug und es wurden Fender angebracht. Alles in allem wäre es wohl einfacher und billiger gewesen, doch einen Schlepper zu rufen…

    6. Max Brauer und Adolph Schönfelder
    Die eierlegenden Wollmilchsäue der Hadag! Wohl im (finanziellen) Zusammenhang zur Astor ebenfalls bei der HDW bestellt, sollten diese beiden großen Schiffe von Lauenburg (da gab es die DDR noch!) bis Helgoland eingesetzt werden können. Beides war ein Flop! Für die Oberelbe mußte mit großem Aufwand das ganze Oberdeck, einschließlich der Rettungsboote demontiert werden. Für den Seeverkehr in der Nordsee waren die beiden zu flach und wenig seefest gebaut. In der Ostsee konnten beide allerdings eingesetzt werden, doch nicht wirklich erfolgreich von der Hadag. Die Schönfelder, eigentlich immer soetwas, wie das „bessere“ Schiff, wurde viel für Sonderfahrten und zeitweise zur Lühe eingesetzt. Sie fuhr auch dann und wann zur Oberelbe. Die Brauer ackerte hingegen zeitlebens als Werftzubringer, erst zur HDW (die Werftarbeiter konnten sich über die von ihnen als Wurstwagen bezeichneten Schiffe nicht beschweren, hatten sie diese doch selbst gebaut!), später zu Airbus. Dazwischen einige Sonderfahrten und manche Sommer (frühe 80er Jahre) zur Unterelbe. Was war so besonders an den beiden? Sie waren die ersten echten Seeschiffe, die nach vielen Jahren für die Hadag im Hafenverkehr zum Einsatz kamen. Sie waren fast so lang, wie die erste Jan Molsen, hatten jeweils zwei Schottel-Ruder-Propeller und jede Mange hydraulischen Schnickschnack! Dazu gehörten u. a. absenkbare Masten und ein einfahrbares Steuerhaus. Sollte es regnen, während das Ruderhaus um gut einem Meter in der Versenkung verschwand, mußte sich der Schiffsführer mit einem Regenschirm bewaffnen und das Schiff durch ein kleines Luk im Dach fahren! Weil sich einige Schiffsführer trotz der beiden Schottelantriebe schwer mit dem Manövrieren taten, ergänzte man kurze Zeit nach der Indienststellung noch ein leistungsfähiges Bugstrahlruder.
    Im Vorschiff war sogar ein Krankenzimmer untergebracht!

    Die Adolph Schönfelder veräußerte die Hadag dann endgültig in die Ostsee, die Max Brauer fristet noch immer ein eher unauffäliges Dasein in Hamburg…

    Übrigens, wie die Typschiffe, so muß man auch die hier beschriebenen Zwillinge als „zwei-eiig“ bezeichnen, denn auch sie unterschieden sich in etlichen Kleinigkeiten deutlich voneinander!

    Michael

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